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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schwarz bis schwarzbäcker (Bd. 15, Sp. 2300 bis 2321)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schwarz, adj. niger, ater, mhd. swarz, ahd. suarz, suuarz Graff 6, 899; goth. swarts, as. mnd. swart, nnd. daneben auch swatt Schütze 4, 232. Danneil 218a. Woeste 265a; mndl. swart Kilian, nndl. zwart; altfries. saterl. neufr. swart Richthofen 1057b. 1058a; ags. sweart, engl. swart, black, tawny Sceat2 615b, zurückgedrängt durch black; altnord. svartr, schwed. svart, dän. sort. lautlich verwandt sind altnord. Surtr, der name eines feuerriesen Cleasby-Vigfusson 605a, sorti, schwarze wolke 578b, finsternis, dichter nebel Fritzner2 3, 480b, sorta, schwarze farbe, farbsubstanz. ebenda, vgl. Kluge etym. wb.5 341a. auszerhalb des germ. werden lat. surdus, dunkel (color surdus), taub (J. Grimm gesch. d. d. sprache 412), sordes, sordere verglichen Fick4 1, 580. — der comparativ, der mhd. noch als swarzer und swerzer erscheint Lexer mhd. handwb. 2, 1343, lautet nhd. durchweg schwärzer. nur mundartlich begegnen unumgelautete formen Frommanns zeitschr. 3, 225, 7.
die allgemeine bedeutung von schwarz ist 'dunkel'.
I. in sinnlicher anwendung:
1) mit bezug auf mangelndes licht, mangelnde helligkeit, finster, düster.
a) von einer dunkel brennenden, düsteren flamme:

sô warð ôk that fiur kuman
hêt fan himile,that thea hôhon burgi
umbi Sôdomo-landswart logna bifêng. Heliand 4370 Heyne.

vom verfinsterten mond:

die zeit in arbeit, ruh, tag, wochen, monath, jahr,
durch liecht, nacht, hitz und kält, gethailet, zuvertreiben,
wilt du, herr, dasz der mohn gantz, halb, schwartz oder klar,
mit beständigem lauff soll unbeständig bleiben.
Weckherlin 225.

so auch in der folgenden stelle von der sonne, aber der vorlage folgend (griech. μέλας) und durch den vergleich eng an 2 angeschlossen: und ich sahe, das es (das lamm) das sechste siegel auffthet, und sihe, da ward ein grosses erdbeben, und die sonne ward schwartz wie ein harin sack, und der mond ward wie blut. offenb. 6, 12.
b) schwartze nacht, notte oscura fosca e tenebrosa Kramer dict. 2 (1702), 701c. Adelung: dasz sich auch ein sprichwort daher angespunnen, die nacht sey niemands freund, und derwegen unholdselig, unfreundlich, ja feindselig und feindlich. dann sie ist schwartz, dunckel unnd finster aus mangel: was aber mangel leidet, ist unvollkommen und derhalben unglückhafft. Garg. 125b;

(Petrus) gihugda therô wordô thôthe imu êr waldand Krist
selo sagda,that he an theru swarton naht
êr hano-krâdiîs hêrron skoldi
thrîwo farlôgnian. Heliand 5000 Heyne;

naht suarziu giu fartripen ist (nox atra iam depellitur). Murbacher hymnen 5, 2, 1;

wen daʒ sie (die kämpfer) schiet die swarze naht.
Herbort v. Fritzlar troj. krieg 7964;

wenn dich die schwarze nacht umgibt,
kannst du fein sicher schlafen.
Gerhardt 194, 21 Gödeke;

schwarz und stürmisch war die nacht.
Göthe 1, 198.

im vergleich: schwarze, finstre nacht, meine seele gleicht dir. Klinger theater 4, 195;

waʒ ist vinsterre den diu naht? ..
diu rame ist swerzer den diu naht.
Müllenhoff - Scherer denkm.3 1, 193 (Traugemundslied), 6, 6.

mit personificierung:

wan sich die schwartze nacht (setzend mit stillem gang
des himmels liechter auff) uns zu stillen bemühet,
und auff deinen befelch jhren dunckeln umbhang
mit schläferiger hand umb der welt läger ziehet.
Weckherlin 225;

komm lieblich schwarze nacht
und drücke schieszende sterne
wie siegel deiner macht,
als zeichen meiner ferne
in meine muthige brust.
Arnim 1, 18.

von der ewigen nacht der hölle:

thâr ist grist-grimmoendi grâdag fiur,
hard helleo-gethwing,hêt endi thiustri,
swart sin-nahti. Heliand 2146 Heyne.

schwarz vom tage, mit beziehung auf die symbolische bedeutung von schwarz (s. 2, b):

die sonne weicht zurücke: du aber (Jerusalem) schaust zum spott;
der tag wird schwarz, und trauert, du lesterst deinen gott.
Dusch 107.

[Bd. 15, Sp. 2301]


der himmel wird schwarz, mit dunklen wolken überzogen. Adelung: und ehe man zusahe, ward der himel schwartz von wolcken und wind. 1 kön. 18, 45. schwartz und dick wulcken, atrae nubes Maaler 366b, schwartz gewülck 366c, schwartze wolcken Steinbach 2, 535: sein (gottes) gezelt umb jn her, war finster, und schwartze dicke wolcken. 2 Sam. 22, 12; die blitze schlängeln sich nicht durchs schwarze gewölk. Geszner bei Adelung; schwarze regenwolken hingen am himmel, jeden augenblick bereit, sich zu entladen, dichtes dunkel ringsum. Grillparzer (1887) 11, 224; im bilde:

sie enist nergin nâ so lîcht
sô mîn vrauwe die koningîn;
doch wêre der selben sunnen schîn
undir swarzen wulkin genûg.
Eilhard v. Oberge 6463 Lichtenstein;

hyperbolisch: auf ein gegebenes signal brach der hinterhalt hervor, ein fürchterliches kriegsgeschrey anstimmend, indem er den feind zugleich mit schwarzen pfeilwolken überschattete. Schiller 9, 202. schwarzes wetter, gewitter, schwarze lüfte, schwarzer sturm, regen: ein schwarzes gewitter stieg fernher auf. Geszner bei Adelung; so wird in den ländern unter der scheitel-rechten sonne täglich der blaue himmel donner, sturm und schwarzer regen, und täglich geht die sonne wieder blau und golden unter. J. Paul Titan 5, 57;

do erlasch diu sunne diu ê schein,
und zergienc der vogelsanc,
alss ein swarz weter twanc.
Hartmann v. Aue Iwein 640;

der nordwind, der
mit starken fittigen die schwarzen lüfte theilte.
Schlegel bei
Adelung.


c) schwartzes gefängnis, prigione oscura Kramer diction. 2 (1702), 701c, in gleichem sinne verhüllend schwarze stube: in der schwartzen stube gesessen seyn, essere stato in prigione. ebenda; ähnlich: hinter schwarzen mauern. Grillparzer (1887) 6, 195 (die stelle s. unter II, 1, b). schwarze höhle Frisch 2, 243c. Adelung, schwarzer abgrund, ähnlich:

wer wagt es, rittersmann oder knapp,
zu tauchen in diesen schlund?
einen goldenen becher werf ich hinab,
verschlungen schon hat ihn der schwarze mund.
Schiller 11, 220.

schwarz heiszt das grab, im vergleich: schwarz wie das grab grau'te mich eine trostlose zukunft an. kab. u. liebe 2, 3. von der hölle:

lêda wihti
bisenkidun is sêolaan thena swarton hel. Heliand 3358 Heyne.


d) schwartzer wald, selva folta, spessa e perciò ombrosa e oscura. Kramer diction. 2 (1702), 701c: der silberne flusz, der schwarze wald, der nebelduft. Bettine tageb. 69;

die blaue ferne schlieszt ein kranz beglänzter höhen,
worauf ein schwarzer wald die letzten strahlen bricht.
Haller 37;

fürst Hermann flieht und Varus weicht
und sucht vergebens offne felder;
der seinen angst und furcht durchstreicht
die schwarzen blutbetrieften wälder.
Hagedorn 3, 122;

es saust ihm zu haupte der schwarze wald
und die sonne versinket in wolken bald.
Uhland (1864) 213.

in gleichem sinne: im schwarzen heiligthum dieser buchen ersannen wir zuerst das kühne ideal unsrer freundschaft. Schiller 4, 33. prädicativ:

der mond ist aufgegangen,
die goldnen sternlein prangen
am himmel hell und klar;
der wald steht schwarz und schweiget.
Claudius 4, 91.

die förster sagen: eine blösze, lichtung wird schwarz, wenn sie wieder mit holz bewächst, also dunkel wird. Adelung. Jacobsson 4, 92a.
e) hierher gehört auch die wendung: es wird einem schwarz vor den augen, man verliert das bewusztsein. Hügel 146a. Hunziker 235. Seiler 266b, aber nicht nur mundartlich. eine ähnliche fügung ist unter III, 4, a angeführt.
f) ebenso erklären sich von hier aus fügungen wie: die strasze ist ganz schwarz von menschen; alls schwarz kemens daher, in groszer menge. Schm.2 2, 649. scherzhaft: mein weib hat g'wäsche, s'hängt schwarz voll. Schmid 627.
g) von geschmuggelten waaren sagt man: schwarz herein (über die grenze) kommen, vielleicht weil man bei nacht zu schmuggeln pflegt (vgl. DWB schwärze, 'nacht' in der gaunersprache, s. dies), so dasz schwarz hier gewissermaszen prädicativisch im sinne von 'dunkel, in der dunkelheit' stände, oder weil die

[Bd. 15, Sp. 2302]


schmuggler sich das gesicht schwärzen, um sich unkenntlich zu machen. Schm.2 2, 649. vgl. schwärzen.
h) in der mitte zwischen diesem und dem folgenden gebrauch steht schwarz in bezug auf schatten in der malerei, der ja doch durch farbe hervorgebracht wird. ein maler malt schwarz, wenn er viel schatten gibt. vgl. ins schwarze fallen unter III, 5. bildlich:

ich malte schwarz, doch dichtern flor
zög ich dem bilde lieber vor.
Göthe 41, 11.

in gleichem sinne bildlich mit schwarzen farben malen: besonders da er ihnen seine übrige lage nun auch mit schwarzen farben der augenblicklichen stimmung mahlte. 19, 251, schwarzes gemälde: man entwirft ihm das schwärzeste gemählde von ihren anmaaszungen, ihren gewaltthätigkeiten, ihren anschlägen, ihren drohungen. Schiller 9, 365.
2) von dunkelster farbe, der gegensatz zu weisz. im engsten sinne von körpern, die alles licht absorbieren, aber auch allgemeiner, z. b. von dunklem laub (vgl. unten h, α), dunklem wein (s. unten i, β), selbst dann aber als gegensatz zu weisz erscheinend (s. Erec 337 unter h, α).
a) in der gegenüberstellung von schwarz und weisz zeigt sich deutlich der enge zusammenhang mit der vorigen anwendung. sie braucht nicht notwendig auf farbe zu gehen. weisz bedeutet auch 'glänzend', weisz ist das helle sonnenlicht, und farbe ist ja nichts als reflectiertes licht, sodasz schwarz eigentlich das farblose bezeichnet. daher fehlt es oft in mittelalterlichen farbenaufzählungen. W. Wackernagel kl. schriften 1, 146. doch emfinden wir gerade in der gegenüberstellung von schwarz und weisz, wie sie gern in sprichwörtlichen wendungen erscheint, schwarz besonders deutlich als farbe: unser lêrer sagent uns weiʒ und würkent swarz. Megenberg 204, 8; es ist zwar ein gemein klage in allen stenden, und leben, uber falsche, verlogene leute, wie man spricht, es ist kein trew noch glauben mehr, item gute wort nichs dahinder, und was weis heisst, das ist schwartz. Luther 6, 163b; sagt man in (etlichen Lutheranern) schwarz, so sagen sie weisz. H. Sachs dialoge 73, 10 Köhler; ausz schwarz weisz machen, nigrum in candida vertere. Corvinus fons latin. 1 (1660), 431b; sagen, was schwartz und weisz ist, dicere quae nigra, quae alba sint Steinbach 2, 535; und so ward sie (die dialectik) eine blose übung für die sophisten, die über alles raisonniren wollten und sich darauf legten, dem scheine den anstrich des wahren zu geben, und schwarz weisz zu machen. Kant 1, 352; aber wir lassen uns hier in Abdera nicht so leicht schwarz für weisz geben. Wieland 19, 323; sie sind so sehr unterschieden, als schwarz von weisz. Lichtenberg 2, 102; ich kann schwarz und weisz wohl unterscheiden. Simrock 141, 9340; schwarz ist nicht weisz. Wander 4, 423, 18;

spricht er swarz, sô spricht du wîʒ.
Teichner 182;

ich hab wedr schwartz noch weisz gehört.
Sommer Cornel. releg. K 4a;

ich bin kein kind nicht mehr, darff wohl ein milchmaul sagen,
was gut und böse sey, bedarff ich nicht zu fragen,
ich kenne weisz und schwartz.
Rachel bei
Steinbach 2, 536.


b) die bedeutung von schwarz in der farbensymbolik, wo es im allgemeinen das gegentheil von weisz bezeichnet, wurzelt in dem gegensatz von licht und dunkel, ihrer wirkung auf den menschen, auf leben und gedeihen überhaupt. schwarz ist die unholde farbe, die farbe des bösen, des schädigenden, des zorns und der moralischen minderwerthigkeit:

der unstæte geselle
hât die swarzen farwe gar,
und wirt och nâch der vinster var:
sô habet sich an die blanken
der mit stæten gedanken.
Wolfram Parz. 1, 11;

schwarze varb pedeutet zorn. fastn. sp. 777, 5 (ähnlich Hätzlerin 2, 21, 137).

s. auch unten II, 1, b. schwarz ist die farbe der trauer:

owê der leiden farwe,
die ich mit leide erkenne,
darvon ich fröuden darbe,
swarz, ich erschricke, wenn ich dich hœre nennen.
ein leid anefâhen und ein fröuden ende
bistu; swer dich ze rechte
muoʒ tragen, der mag wol heiʒen der ellende.
Hadamar v. Laber jagd 248;

schwarz ist zorn oder laid,
laid trûg sie ân unterschaid,
daʒ sie got nit gedanket het
des guots, des er an sie het gelêt. maget krone bei
Zingerle Germ. 8, 502.

auch die kirche nimmt es in diesem sinne, als trauerfarbe wegen des todes Jesu, wegen des todes ihrer angehörigen, wegen menschlicher

[Bd. 15, Sp. 2303]


sündhaftigkeit. aus letzterem grunde erscheint es als farbe des mönchsgewandes (der benedictiner), wird so zu einer dem geistlichen besonders ziemenden farbe und zur amtstracht der protestantischen prediger, wobei es dann wol in den allgemeineren sinn des gegensatzes gegen die eitle farbenpracht der profanen umschlägt, s. unten i, γ und II, 1, c. vgl. zu der symbolischen bedeutung von schwarz Fischart Garg. cap. 13. Zingerle Germ. 8, 502 ff. Weinhold d. frauen2 2, 270 und besonders W. Wackernagel kleine schriften 1, 143 ff.
c) schwartze farb, atramentum, nigrans color Maaler 366b, color negro Kramer dict. 2 (1702), 701a, schwarze farbe Adelung: aber die schwartze farbe hat jhr graden: recht kohlschwartz ist, wie das pech: braunschwartz wie der mohr: erdschwartz, wie ein sperling: wasserschwartz wie die gansz. Comenius sprachenthür (1657) 334;

wîʒ und swarzer varwe er (Feirefiz) schein.
Wolfram Parz. 57, 18.

von farbsubstanz: diese brühe wird alsdenn eine stunde lang gekocht, und der schaum fleiszig abgeschöpft. dieses giebt eine schöne schwarze farbe. Jacobsson 4, 82a. schwarze beitze auf achat, elfenbein, knochen, horn, holz, marmor. 81. entsprechend adverbial schwartz färben, tignere in negro Kramer dict. 2 (1702), 701b, schwartz brennen, arsicciare. ebenda.
d) von menschen.
α) mit bezug auf leibesbeschaffenheit.
αα) im engeren sinne von mohren, swarze liuti, Aethiopes Graff 6, 900 (8. jahrh.), schwartzer mohr, Aethiops. Corvinus fons lat. 1 (1660), 63a: dedisti eum escam populis Ethiopum, du gâbe in zefreʒʒenne swarzen liûten. Notker ps. 73, 14;

dô quam ime manich môr swarz,
di ime woldin helfin. Straszb. Alexander 4325 Kinzel;

daʒ klagte ein swarziu frouwe.
Wolfram Parz. 41, 18;

da sâhen die swarzen man
den wol gemûten fursten an. herzog Ernst 4449 Hagen;

dô motten em drê môriânen
dat wi hêten swarte lûde. v. d. holte des hilligen cruzes 471;

du im himmel! hilf mir armen
schwarzen mann!
Claudius 1, 12.

im vergleich:

der (ritter) was swarz als ein môr.
Heinrich v. d. Türlin krone 14397.


ββ) natürlich gleichfalls von menschen, die sich die haut geschwärzt haben. als volkssitte führt Birlinger volksthümliches aus Schwaben 2, 224 an, dasz ein ehemann, der seine frau miszhandelt, von einem schwarzen mann ('sein gesicht ist geschwärzt und er dadurch unkenntlich gemacht' 225) durchgeprügelt wird.
γγ) mit bezug auf natürliche leibesbeschaffenheit im weiteren sinne von menschen mit schwarzem haar, schwarzen augen, dunkler hautfarbe: aber ein fraw die beschowet sich (im spiegel) mit groszem fleisz, und ersicht sie das sie schwartz oder bleich ist, so kert sie allen fleisz an, das sie durch salb und insz büchszlin blosen, sich mit gewalt röselecht und hübsch mach. Keisersberg dreieck. spiegel Aa 3b; ich bin schwartz, aber gar lieblich .. sehet mich nicht an, das ich so schwartz bin, denn die sonne hat mich so verbrand. hohel. 1, 5. 6; sintemal wir fast alle .. unsere haare verlohren hatten, sehr mager und ausgehungert, und so schwartz aussahen, wie die allerschwärtzte zigeuner. Simpl. 3, 275, 10 Kurz; (von Maria, nach hohel. 1, 5. 6):

du sprichest, vrouwe reine,
daʒ dû swarz unt schœne sîst.
Konr. v. Würzburg goldne schmiede 1933;

er ist dürr, man zelt jm sein rieb,
und schwartz einem zigeiner gleich.
H. Sachs fastn. sp. 4, 14, 363 Götze;

der schwartze schäffer steht bey einer hohen linden
gelehnet auff den stab.
Opitz (1690) 1, 138;

nein! hier hat es keine noth:
schwarze madchen, weiszes brot!
morgen in ein ander städtchen!
schwarzes brot und weisze mädchen.
Göthe 2, 287.


δδ) mit bezug auf dunkle flecken, die durch schläge entstehen: einen schwartz und blau schlagen, render livido uno di battiture. Kramer dict. 2 (1701), 701b.
εε) vor ärger soll man schwarz werden können. Schmeller2 2, 648. Albrecht 209: die Bamberger dort ärgern sich, sie möchten schwarz werden. Göthe 8, 5; ich möchte vor ärgernisz schwarz werden. Wall die beiden billets 2.
β) von schwarzgekleideten: gott! wenn ich manchmal denke, wie man das liebste seines lebens wegtragen läszt, und niemand, als die kinder, das so scharf fühlt, die sich noch lange

[Bd. 15, Sp. 2304]


beklagten, die schwarzen männer hätten die mama weggetragen! Göthe 16, 86;

hier sahen sie vier träger schwarz
mit einer todtenbahre. wunderhorn 1, 94 Boxberger;

und wenn ihr die schwarzen gesellen fragt:
das ist Lützows wilde verwegene jagd.
Körner 1, 72 Cotta.

ein schwartzer münch, schwartze nonne, un frate nero, suore nera, cioè con habito nero, monaco benedettino. Kramer dict. 2 (1701), 701a. Frisch 2, 243b; unde wæren alle die zeher unde tropfen, die sît anegenge der werlte ie geregneten unde tropften, daʒ daʒ alleʒ müniche unde brüeder wæren, grâwe müniche unde swarze, prediger unde minre brüeder. Berth. v. Regensburg 1, 137, 25; wi heiliclîchen her (der hl. Gregorius) lebete êr danne her bâbist wurde (wan her was ein swarz munich). myst. 1, 105, 9; unserm liebin closter der swartzcn frauwen. quelle bei Scherz-Oberlin 1460; von der katze, die in die schwärze gefallen ist, sagen die jungen mäuse:

eʒ ist ein swarziu nunne
unser vrô diu katze worden. Reinh. fuchs 366, 2024.

daher schwarzer münchorden quelle bei Scherz-Oberlin 1460;

nû enwelle got, ...
daʒ wir sus unsern orden swachen,
daʒ wir ze bischolfe machen
einen munich ûʒ swarzem orden.
Ottokar 38514 Seemüller;

in pin ain nunn des schwarzen orden. fastn. sp. 471, 29 Keller.

schwarze klöster, benedictinerklöster. quelle bei Scherz-Oberlin 1460; ist dis war, so hab ich angst daʒ man ir in swartzen klœstern und in andern leben vil vinde, die noch nie von der vorhte in die minne (gottes) gefuoren. quelle des 14. jahrh. bei Wackernagel altd. leseb.2 901, 30. — allgemeiner schwarze herren, geistliche, weil sie sich schwarz zu kleiden pflegen:

sie (die wollustknechte) brachten, sich zu mästen
und gutlich sich zu thun, ihr faules leben hin,
und hatten oft, so boshaft war ihr sinn,
die lieben schwarzen herrn zum besten.
Gotter 1, 369.

der schornsteinfeger, der den kindern eine art schreckgestalt ist, heiszt ihnen wol der schwarze mann, vgl. unten e. schwarz, schwarzgekleidet, in prädicativer fügung: im scharlach in den senat zu kommen! nicht schwarz wie die übrigen rathsherren. Schiller Fiesko 2, 8.
γ) schwarzer Peter heiszt bei dem gleichnamigen kartenspiel der, der schlieszlich den kreuzbuben (an andern orten den piquebuben) behält. Vilmar 377, aber allgemein üblich. ihm wird wol mit einem angebrannten kork das gesicht etwas geschwärzt. ursprünglich soll der ausdruck nach Wackernagel kl. schriften 3, 154 auf die karte selbst gehen. schwarzen Peter spielen: in das (kämmerlein) wird ihn der wärter hineingesteckt und ihn aus langeweile gezwungen haben, schwarzen Peter mit ihm zu spielen. Hebbel (1891) 2, 60.
e) gestalten der germanischen mythologie erscheinen als schwarz, besonders solche, deren wohnsitz unter der erde gedacht wird, wie die göttin Hel. myth. 290 und ein theil der elfen (altnord. swartalfar im gegensatz zu den ljósalfar, vgl. unten schwarzelf) myth. 414. die letzteren sind nicht gleich der göttin Hel durchaus unholde wesen, sie gelten auch als freundlich und hülfreich, daneben allerdings, aber nicht sie allein unter den elfen, als tückisch und diebisch. myth. 433 ff. die allgemeine neigung, gute geister hell, weisz und böse dunkel, schwarz zu denken, die im unterschied von tag und nacht, von sonnenschein und unwetter ihre ursache hat, darf für unser volk jedoch so gut wie für andere angenommen werden. zu ihr stimmt die christliche vorstellung, nach der die engel, die gott die treue gewahrt haben, und die von ihm abgefallenen ebenso unterschieden sind, wie es die folgende stelle sagt:

Lucifer muoste von dem himel vallen,
mit im vil manic engel schar,
ir liehter schin kert' sich in swarze varwe gar. minnes. 2, 18b Hagen.

der gegensatz von licht und dunkel, nicht der der farbe, ist es zunächst hier wie dort, worauf es ankommt (vgl. 1) darumb so verman ich (Lucifer) euch all in gemein, also zu leben in aller der weis und masz, als euch meine amptleut di weiszen moren (d. h. wol: die menschen mit weiszer haut und schwarzem herzen) und schwarzen engel eingeben. sat. u. pasqu. 2, 100, 10 Schade; mein lieber herr, weisz er nicht, dasz sich die schwarzen engel offt in engel des lichts verstellen Weise erzn. 153. so erscheint denn auch der fürst der gefallenen engel, Lucifer, der teufel schwarz (vgl. myth.4 830 u. nachtr. 294):

[Bd. 15, Sp. 2305]


sô heiʒʒet einr der helle wirt:
der ist swarz.
Wolfram Parz. 119, 26;

von dem tuifel hört man wol
wie er swertzer sy denn kol. liedersaal 3, 276, 42 Laszberg.

sprichwörtlich: de düvel is so swart nig, as man em afmalet, als entschuldigung für leute, denen man häszlichere eigenschaften beilegt, als sie haben. brem. wb. 4, 1113. der teufel heiszt der schwarze (s. unten III, 1, c), der schwarze Kaspar Schmid 486 (Kaufbeuren), Schwarzhannes Schöpf 659, der schwarze Paule: luog der (dasz?) nit schier dich der schwartze Paule dort niden in der schwebelgruoben höre. pasquill aus dem 16. jh. in Zachers zeitschr. für d. phil. 20, 165, 33 (vergl. die anmerk. dazu 177), der schwarze meister:

der mac wol mit rehte
daʒ volwîc durch vehten
volwîc geleisten
wider den swarzen meister. deutung der meszgebräuche,
Haupts zeitschr. 1, 277, 286

(vgl. Plesse 3, 26 unter II, d), der schwarze mann, besonders bei den kindern:

sante Michel rihtet uff sin woge
und henket sich der folant dran,
doch schaffet er nît, der schwarze man.
Dangkrotzheim 284 Pickel.

Schiller läszt seiner jungfrau von Orleans im 9. auftritt des 3. acts einen bösen geist (Talbot) als schwarzen ritter (was sich allerdings nur auf die rüstung bezieht, sein visier bleibt geschlossen) erscheinen. ebenso sind die schwarzen mannspersonen der folgenden stelle böse geister: also hat er zwen schwarze, lange manspersonen gesehen, die sein uf der scheiterbeig gesessen. Zimm. chron.2 4, 111, 38. auch der personificierte tod erscheint schwarz. vgl. DWB schwarz als trauerfarbe (b):

des schwarzen todes hand
samt der höllen brand
umfiengen überall
mein herz mit angst und qual.
Gerhardt 198, 5 Gödeke.

als schwarzer mann erscheint er dem kind im todtentanz:

ein swarzer man ziuht mich dâ hin.
Haupts zeitschr. 3, 338.

dort wird ein fangespiel der kinder verglichen, wobei eins nach dem rufe fürchtet ihr euch vor dem schwarzen mann? die andern zu haschen sucht. in Bremen ist ein kinderreim beim spiel:

wer fürchtet sich vor schwarzem mann,
vor räubern und soldaten?

das könnte aber auch auf den teufel gehen oder eine spukgestalt unbestimmten characters, womit man kinder schreckt.
f) von thieren, swarz ros, niger equus Graff 4, 1180, schwarz pferd, equus ater Stieler 1439, der schwarze rabe, corvus niger Steinbach 2, 212, schwarzer specht Frisch 2, 243c, schwarze amsel ebenda, schwarze ente, brillenente Behlen 5, 570, schwarzer falke, mäuseaar, schwarze gabelweihe, schwarzer milan. ebenda, schwarze krähe, saatkrähe. ebenda, schwarze nachteule, brandkauz 571, schwarzer adler, steinadler. ebenda, schwarzer waldhahn, birkhahn. ebenda, schwarzer reiher, storch. ebenda, schwarzer schwan u. dergl. mehr; als technischer ausdruck bei den jägern schwarz wildpret, aper, fera furva Stieler 1956: phisiologi sagent daʒ pulli corvorum des touues lebeen, die uuîla sie wîʒ sint, unde fone iro parentibus neheina fuora nehêigên, êr siê suarz uuerdent. Notker ps. 146, 9; ich wil heute durch alle deine herde gehen, und aussondern alle fleckete und bundte schafe, und alle schwartze schafe unter den lemmern. 1 Mos. 30, 32; am ersten (wagen) waren rote rosse, am andern wagen waren schwartze rosse. Sacharja 6, 2; und ich sahe, und sihe, ein schwartz pferd, und der drauff sass, hatte eine woge in seiner hand. offenb. 6, 5; der rapp (rabe) ist in seiner jugend minder schwartz, dieweil er vom himmeltauw gespeyszt wirt. Heuslin Gesners vogelbuch (1582) 196b; die gelblechten (meergroppen) sind die grösten, die weissen die kleinsten, die schwartzen mitler grösse. Forer Gesners fischbuch (1598) 6b; dieser (fisch) ist dem meeraleten gantz änlich, allein dasz er gantz schwartz ist. 37a; limax ist ein schwartze schnecke ohne hausz, die man nicht isset. Corvinus fons latin. (1660) 1, 161; es sind zweyerley störche, erstlich die weiszen mit schwartzen flügeln, welche in städten und dörffern auf den häusern und thürmen hecken; zweytens die schwartzen, welche gemeiniglich in wäldern ihre horste machen. Döbel jägerpr. 1, 70b;

[Bd. 15, Sp. 2306]


selten wir gesehen haben
swarze swanen und wîʒe raben.
Hugo v. Trimberg 8427;

de yungen (meerkatzen) weren swart. Reinke de Vos 5909 Prien.

in vergleichen: sîn hâr ist also palmae uuipfela, suarz samo êin raban. Williram 88, 2 (hohelied 5, 11, bei Luther: seine locken sind kraus, schwartz wie ein rabe);

(pferde) gar swarz sam ein raben.
Hartmann v. Aue Erec 1961;

ein pfert hât sie dar getragen,
daʒ was swarz als ein rabe.
Heinr. v. d. Türlin krone 7750;

den tohter hieʒ Marmatorâ,
deu wart swarz als ein krâ.
Heinr. v. Neustadt Apollon. 14421.

schwarze thiere gelten als unheilverkündend, so raben W. Grimm kl. schriften 1, 341, als verkörperungen böser geister, des teufels und seiner diener:

zuletzt geschach ûf eine nacht,
dâ der tag ein ende nam,
daʒ ein compân (es ist der teufel) zû zim quam,
der hatte nâch reisigen sittin
ein gar swarziʒ pfert beschrittin.
N. v. Jeroschin 22401 Strehlke;

es kam einer gerieten her
von den reutern on alles gfer,
derselbe sas bey seiner reys
auff einer schwartz dreybelnen geys ...
dis mocht der böse geist wol sein.
Thym Thedel v. Walmoden 360 neudr.;

ein schwarzer bock,
kriecht untern rock,
und trägt uns (hexen) zum taumelnden brocken.
Hölty 195, 9 Halm;

siehst du den schwarzen hund durch saat und stoppel streifen?
Göthe 12, 62;

der eine faselt von alraunen,
der andre von dem schwarzen hund. 267;

am tag, da selbiges jahr sich schlosz,
da kaufte der abt ein schwarz wild rosz (es erschlägt Rechberger und erscheint als gehilfe des bösen geistes, dem er seine handschuhe geliehen hat).
Uhland (1864) 322.

ebenso die schwarze kuh als unheilbringerin (bildlich in den wendungen: die schwarze kuh tritt einen, drückt einen), als koboldisches wesen, daher in freierem gebrauch wie schwarze kunst, als götterthier vergl. kuh 6, theil 5, 2550. Seb. Franck berichtet unter bräuchen, die er tadelt: kein ee segnet man ein z verbotner zeit (als sey sy unrein) man erkauffs dann umb ein schwartze hennen an etlichen orten, an etlichen um ein ander losung. weltb. (1542) 134a. auch das hat wol einen mythologischen hintergrund, ebenso die folgende anweisung: nimm ein ohr von einer schwartzen katzen, und sieds mit milch von einer schwartzen kuhe, darnach mach dir ein däumling darausz, und stecke ihn an den daumen, so siehet man dich nicht. Schnurr 923. mit der symbolischen bedeutung von schwarz hängt es nach W. Wackernagel kl. schriften 1, 170 zusammen, dasz in dem folgenden bekannten schlummerliedchen das böse schaf, das das kind beiszt, diese farbe hat:

schlaf, kindlein, schlaf!
drauszen stehn zwei schaf,
ein schwarzes und ein weiszes,
und wenn mein kind nicht schlafen will,
so kommt das schwarz und beiszt es.

diese symbolische bedeutung dehnt Fischart auch auf die schwarze farbe von wappenthieren aus: leset beyde griechische unnd römische geschichten, so findet jr, das die statt Alba .. gebawet unnd genant sey worden nach einer weissen saw, die da gefunden worden. wer sie schwartz, oder halb und halb, wie man die hund schiert, gewesen, sie hettens dahin nicht gebawt, sonst wers jr wie Troya gangen, die ein schwartze saw im wapen führen: darumb hat keyser Carl der machtgrosz den Sachssen, nachdem sie christen worden, das westphalisch schwartz fal oder pferd im wapen in weisz verkehrt. Garg. 126a. die farbe gilt aber bei schwarzen wappenthieren, unter denen der schwarze adler das bekannteste ist, selbstverständlich eigentlich nicht als unheilvoll. die schwarzen rosse in einem rätsel Reinmars von Zweter bedeuten die nächte der woche:

den wagen (des jahres) ziehent siben ros, sint wîʒe,
unt ander siben swarz mit stætem vlîʒe. 186, 8 Roethe.

sprichwörtlich heiszt es: in der nacht seynd alle katzen (oder kühe Adelung) schwartz, nella notte .. non ci è differenza frà donna bella e brutta. Kramer dict. 2 (1702), 701b. Adelung;

wer kennt den schelm in tiefer nacht genau?
schwarz sind die kühe, so die katzen grau.
Göthe 41, 21.

[Bd. 15, Sp. 2307]



g) von theilen des animalischen körpers.
α) mit bezug auf hautfarbe, schwartze haut, schwarzer hals, schwartz gesicht, pelle nera, collo nero, viso, arsiccio, morello, moro, moresco. Kramer dict. 2 (1702), 701b, mit bezug auf natürliche schwarze farbe:

ir sultz helen lîse
vor den die tragent daʒ swarze vel (mohren).
Wolfram Parz. 55, 5,

auf künstliche: einen lächerlichen possen gab es, denn es war eines vornehmen mannes sohn zum mahler gelauffen, hatte sich da liederlich angezogen, und hatte begehrt, er solte ihm das gesichte gantz schwartz mahlen: denn unter der masque könte er nicht sauffen. Weise erzn. 210 neudruck; allgemeiner, wie 'dunkel':

bî ir manegiu hin zer kirchen gât,
diu ir swarzen nac vil hôhe blecken lât.
Walther 111, 20.

mit bezug auf verfärbung der haut durch die sonne, krankheit, alter: is dyn antlath yn der sunnen sward gheworden, so macke dat wytte (vom ei) dunne unde wryff dar up. quelle von 1483 bei Schiller-Lübben 4, 486b; meine haut uber mir ist schwartz worden, und meine gebeine sind verdorret fur hitze. Hiob 30, 30;

als er (der durch die wundersalbe geheilte Iwein) bedahte
die swarzen lîch,
dô wart er eime rîter glîch.
Hartmann v. Aue Iwein 3595;

ê wâren im diu wangen
mit rœte bevangen
mit gemischter wîʒe
mit werdeclîchem flîʒe,
nu swarz und in gewichen. Greg. 3262;

daʒ alter hâte in ungestalt
gemachet, als eʒ an im schein.
im wâren arme unde bein
swarz, gerumphen.
Rudolf v. Ems Barl. 32, 15.

schwartze flecken, schwartze mäler, macchie, taccie nere e livide. Kramer dict. 2 (1702), 701a, schwartze oder böse gifftige blatter oder beulen, carbunculus. Corvinus fons lat. 1 (1660), 125b, braune schwartze blatter, epinyctis 439a, schwarze blattern, vari nigri Stieler 1955, postule nere e livide Kramer 2, 701a: da furen auff böse schwartze blattern, beide an menschen und an vieh. 2 Mos. 9, 9. schwarze blattern gilt heute als bezeichnung einer bestimmten krankheit. bei Jacobsson 4, 85b wird eine anweisung gegeben schwarze flecken einem pferde zu machen.
β) schwartze haar, capelli negri Kramer dict. 2 (1702), 701a, locken, schwarzer zopf: ni magt ain tagl hveit aiþþau swart gataujan. got. bibel Matth. 5, 36; thû ni maht ein hâr thes fahses wîʒaʒ gituon odo swarz. Tat. 30, 4; (die gleiche stelle, bei Luther: du vermagst nicht ein einigs har weis und schwartz zu machen. Matth. 5, 36);

hwand he ni mag thâr ne swart ne hwît
ênig hâr gewirkean. Heliand 1513 Heyne;

schwarze locken ringelten sich um stirn und nacken. Grillparzer (1887) 11, 225;

über den huot ein zopf ir (Kundrie) swanc
unz ûf den mûl: der was sô lanc,
swarz, herte und niht ze clâr,
linde als ein swînes rückehâr.
Wolfram Parz. 313, 19;

grôʒ wunder ist daʒ, swie unser hâr
in unser jugent sî gevar
gel, rôt, swarz, brûn oder val,
daʒ unser hêrre uns überal
zieret in dem alter gelîch
mit wîʒer varbe sunderlîch.
Hugo v. Trimberg renner 10374;

seyt mir das alter hat mein schwartzes haar beschneyt.
Opitz (1690) 1, 194;

der schwarzen locken glanz wird, fast ohn unterscheid,
bey dir der schönen rang entscheiden.
Hagedorn 1, 112;

die gute Galathee! man sagt, sie schwärz' ihr haar;
da doch ihr haar schon schwarz, als sie es kaufte, war.
Lessing 1, 21.

schwarzes, weiches haar ist nach Megenberg ein zeichen eines zornigen oder unkeuschen sinnes: sein (des zornigen) hâr ist swarz und lind. 52, 6; der ist ain unkäusch man und ain frawenminner, .. des hâr vil und grôʒ ist, lind und swarz. 10. von dem, der 'gutes sinnes' ist, sagt er: sein hâr ist niht hart, noch ist sein vil und ist niht swarz: eʒ hât sein mittelvarb zwischen gel und swarz. 50, 18. sonst gilt es für schön, besonders in verbindung mit weiszer und roter farbe der haut, vgl. Grimm altd. wälder 1, 10. märchen 53. schwartzer bart, barba nera Kramer dict. 2 (1702), 701a;

[Bd. 15, Sp. 2308]


dissen strick umb sinen lîp
wel ich em werffen also hart,
dasz em sweiszet sin swarczer bart. Alsf. passionssp. 3439 Grein;

für einen mann mit schwarzem bart:

swig du dorechter man
un enrufft den swarczen bart numme an! 1591.

schwartze augbraunen, ciglia nere Kramer dict. 2 (1702) 701a;

zwô brâwen, swarz reht als ein kol (hat Helena).
Konr. v. Würzburg troj. krieg 19907;

mit schwarzem aug aus schwarzen brauen blickend,
stand er in scheuer ferne sinnend da.
Grillparzer (1887) 5, 20.


γ) schwarze federn, flügel u. ähnl.: des raben federn sind von natur schwartz. Agricola sprichw. 604; diese art vögel (krähen) ist dem kleinen raben .. gleich, ausser dasz diese asch-grau seyn, und einen schwartzen kopf, auch schwartze flügel und klauen haben. Döbel jägerpr. 1, 82b. mit schwartzen hörneren, nigrantibus cornibus Maaler 366c.
δ) schwarze augen, ravidi vel nigrantes oculi Stieler 1955. Kramer dict. 2 (1702), 701a. Frisch 2, 243c. Adelung:

ihr schwartzen augen ihr, eur schatten-voller grund
macht mein verhängnisz mir in glück und unglück kund.
Hoffmannswaldau 2 (1697), 48;

schwartze augen sind der zunder,
der mich noch zu asche macht. 2 (1703), 89;

Megenberg fordert von einem wolgestalten: sein augen schüllen ein mittelvarb haben zwischen swarz und grüen. 50, 33, ebenso sagt er vom einem, der weisheit lieb hat: sein augen habent ain mittelvarb zwischen grüen und swarz. 51, 13. für eine person mit schwarzen augen:

schleusz mich in dein hertze nein,
o du schwartzes eugelein. Venusgärtlein 10 neudr.;

schwarze augen heiszen schwarze sterne: so grauenhaft funkelten die schwarzen sterne aus den aschfahlen wangen. Grillparzer (1887) 11, 221. auch der blick aus solchen augen heiszt wol schwarz: mit einem scharfen, schwarzen seitenblick sah sie ihn an. Göthe 18, 143;

wie sie mich ansah mit dem schwarzen blick,
die stolze Ungarin! 5, 43.

das schwartze häutlin des augs um den stern, wie man siht an kalbs oder hünerköpffen, rhagoides. Corvinus fons latin. 1 (1660), 547. schwarzer schleim des auges, als medicinische bezeichnung: die äuszere und innere fläche der aderhaut, und die hintere fläche der blendung oder die traubenhaut, sind von einer im normalen zustande dunkelbraun gefärbten substanz, dem schwarzen schleim, dem pigment (pigmentum nigrum) bekleidet. Meckel anat. 4 (1820), 90. schwarzer staar, eine krankheit des auges, im vergleich: du kannst deinen hut an die sonne hängen, bruder, und ich wette, sie stehlen ihn dir herunter, als ob das auge der welt den schwarzen staar gehabt hätte. Schiller räuber trauersp. 2, 7.
ε) schwarzes blut, schwärzlich rotes Adelung, das venenblut im gegensatz zum arterienblut, aber auch gestocktes, schwartz gestockt blt, cruor ater Maaler 366c, und besonders als kunstausdruck der älteren heilkunde, krankhaft verändertes, das vermischt ist mit verbrannter, schwarzer galle: schwartz geblüt oder melancholy, atra bilis, melancholia Maaler 366c, voll schwartzes geblüts, melancholicus. ebenda, schwartz geblüet, melancholia Henisch 1390, 4, schwarz geblüt, sive galle, melancholia Stieler 1956, schwartze galle, atra bilis Steinbach 2, 535. Frisch 2, 243c, in gleichem sinne die schwartze verbrante melancholische feuchtigkeit, melancholia. Comenius sprachenth. (1657) 137, swarz colera: wem träumt, daʒ er vil swarzer ding sehe oder brauner ding oder der im vil fürht und vil derschricket in dem slâf, der hât vil in im der materi, diu dâ haiʒt diu swarz colera oder melancolia. Megenberg 53, 17; diese melancholi kan von nichts als von der schwarzen galle herrühren, welche ihren sitz um die milz hat. Fuchsmundi 105; das schwarze geblüte macht ihn unsinnig. Lessing 3, 56; o dann steigt mir's faustdick vor augen, dasz ich nicht mehr mag. aber ich lasse mir drum doch nicht das blut zu schwarz werden: was du nicht haben kannst, magst du auch nicht tragen. F. Müller 3, 64; jüngling, dein blut ist rosenroth .. hätte schwarzes klumpigtes blut der leidenden natur den weg zum herzen gesperret, dann wärst du geschikt, die sprache meines grams zu verstehen, und meinen entschlusz anzustaunen. Schiller Fiesko 3, 1; laszt euch vom schwarzen blut nicht zur frevelthat verführen. Arnim schaubühne 1, 155;

die tugend, der empfindungslose herzen
den anstrich ihres schwarzen blutes leihn.
Gotter 1, 384.

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h) von pflanzen und pflanzentheilen.
α) mit bezug auf die farbe der blätter, nadeln, der rinde, des holzes: diu gert der stauden (cassia lignea) wirt dreier daumellen lanch und hât dreierlai varb: die êrsten weiʒ, die andern rôt, die dritten und die obristen swarz. Megenberg 363, 17; mhd. swarzer dorn (vgl. DWB schwarz lorn, hier aber augenscheinlich nicht wegen schwarzer beeren):

ûʒ dem swarzen dorne lachet
wîʒiu bluot vil manicvalt. minnes. 2, 314a Hagen;

der swarze dorn ist worden wîʒ:
nu hât der meie sînen vlîʒ
geleget an den anger. 3, 185a;

er (der mai) kleidet swarzen dorn in wîʒe bluot. 211a;

im vergleich:

ir lîp schein durch ir salwe wât
alsam diu lilje, dâ sî stât
under swarzen dornen wîʒ.
Hartmann v. Aue Erec 337.

nadelhölzer heiszen wegen der dunklen farbe der nadeln schwarze hölzer (vgl. DWB schwarzholz, schwarzwald): unter den schwartzen höltzern wächset die fichte am höhesten und längsten, auch gerader als die kiefern. Döbel jägerpr. 3, 24a. freier schwarzer stamm, stamm eines nadeltragenden baumes: deszgleichen do einer das grasz abhacket uff der gemain oder ein swarzen stamen abhacket ône erlaubnus, der sol in der gedachten gemain straff, unden hernach vermeldt, von jeden stamen gestrafft werden. östr. weisth. 6, 522, 28 (von 1586). schwarze tanne als bezeichnung einer bestimmten art (vgl. schwarztanne): die weisze danne ist risch (hoch) wie auch die schwartze danne, abies procera est ut et picea. Comenius sprachenth. (1657) 115. ebenso schwarze fichte, pinus marina Jacobsson 7, 288a (vgl. schwarzfichte). schwarze pappel, populus nigra 289b (vgl.schwarzpappel): die schwartze pappel wird von der weiszen darinnen unterschieden, dasz selbige ein schwartzgrünes laub, desselben gleichen auch deren sommer-wuchs eine dunckel-grünere schale hat, denn die weisze. Döbel jägerpr. 3, 20a. schwarzes ebenholz 'ist sehr schwarz und einer schönen politur fähig' Jacobsson 7, 291b. auch vom frost entfärbte blätter werden schwarz genannt.
β) mit bezug auf die farbe der wurzel schwartze stickwurtz, taminia Maaler 366c, schwartze niesewurtz, christwurz, veratrum nigrum, melampodium Corvinus fons latin. 1 (1660), 716a, schwarze nieswurzel, christwurzel, helleborus niger, melampodium. Jacobsson 7, 289b: inn disem häwmonat (juli) sint nachgesetzte kreuter und blumen am besten .. sonnenwürbel, schlangenkraut, schwartz nieszwurtz. Sebiz 58; stärckere (kräuter zum vertreiben der 'schwarzen verbrannten melancholischen feuchtigkeit'): armenstein, blaw armenstein, schwartz niesewurtz (christwurtz), helleborus niger. Comenius sprachenth. (1657) 137. nd. swarte-röfe (schwarze rübe), rettich ten Doornkaat Koolman 3, 373b. vgl. auch schwarzwurz, -wurzel.
γ) mit bezug auf die farbe der frucht: an den räben (der brombeeren) wachsen blumen ... nach welchen die frucht erfolget, so zum ersten grün ist, endlich aber auszwendig schwartz, jnnwendig voll rohtes saffts. Tabernaemont. (1664) 1297 F; die schwartze beer an dem maulbeerbaum, erscheinen erstlich weisz, darnach werden sie rot, letzlich aber schwartz. 1391 C; an den zweiglein bringet es (das 3. geschlecht der heidelbeeren) safftreiche runde beere, gleich wie kirschen, so erstlich grün seyn, darnach rot, endlich aber schwartz werden. 1487 K; die pflaumen sind schwartz worden, pruna nigruerunt. Steinbach 2, 535. besondere arten bezeichnen die folgenden ausdrücke: schwarze beere, heidelbeere Vilmar 377 (westl. Hessen). Spiesz 230, schwarze brustbeere, sebestena Stieler 119. Jacobsson 7, 287a, schwarze johannisbeere, daher als bezeichnung der pflanze: schwarzer johannisbeerstrauch, ribes nigrum 290b, schwarze kirschen, cireggie nere Kramer diction. 2 (1702), 701a, cerasa actiana Steinbach 2, 535. Frisch 2, 243b. Adelung: ihre (der bewohner von Gusuratta) frauen, welche sie nach den schwartzen kirschen, je schwärtzer je süsser schätzen, sind wol proportioniret, aber klein von statur. Mandelslo morgenländ. reise 76a. in Basel sagt man: wenn's aim fo schwarze chirsene (chirsi) draumt, so stirpt öpper. Seiler 266b. daher als bezeichnung des baums, worauf sie wachsen, schwarzer kirschbaum, cerasus actia Stieler 114. der schwarzen beeren wegen führt auch wol der schwarze hollunderstrauch, sambucus nigra Jacobsson 7, 290b, holunder Oken 3, 1854, auch schwarzes fliederholz genannt Jacobsson 7, 291b und die schwarze zaunrübe, bryonia alba Oken 3, 819 den namen. schwarze trauben Jacobsson 7, 289b, schwarze feigen 5, 649a: die früht (des feigenbaums)

[Bd. 15, Sp. 2310]


sind dreierlai und die pest ist weiʒ, dar nâch sint die roten veigen die pesten und die swarzen die allerpœsten. Megenberg 323, 23. schwarzer pfeffer, das bekannte gewürz, die kurz vor der reife abgenommen und an der sonne getrockneten beeren des pfefferstrauchs, der gleichfalls schwarzer pfeffer, piper nigrum heiszt Oken 3, 604. Jacobsson 6, 727b: Galiênus und Aristotiles sprechent, daʒ dreierlai pfeffer sei, swarzer, langer und weiʒer, und der aller auf einerlai paum wachs. Megenberg 373, 21. schwartz kümich, nigella Dasypodius, schwartzer oder römischer kümel, cuminum sativum, melanthium, gith. Corvinus fons lat. 1 (1660), 187a, nigella romana 299a, schwartzer kümmel, schwartzer thau, nigella Kramer dict. 2 (1702), 701b: wann einer den geruch verloren hat, oder jm sonst verderbt oder geschwächt ist, so mach er ein rauch von schabab oder römischem coriander, oder schwartzem kümel. Sebiz 76. schwarzer mohn, papaver nigrum Stieler 1711, papavero nero Kramer 2 (1702), 701b.
i) von thierischen und pflanzlichen producten.
α) schwartzes wachs, cera negra Kramer dict. 2 (1702), 701a, schwarz siegelwachs Jacobsson 4, 91b, schwarzer thran, hefenthran, der zu wagenschmiere benutzt wird 7, 291b, schwarze seife, thranseife 538b, schwarzes pergament 291b, schwarze kohle: das fewer hatt mancherley wirckung, ausz dem beyne macht es weisse, ausz holtze macht es schwartze kolen. Agricola sprichw. (1534) 605; der winter würd dem herbst gestracks auff den fersen in pantoffeln unnd im wolffsbeltz nachfolgen mit weissem schnee und schwartzen kolen. Fischart groszm. 6 neudruck. daher in vergleichen: schwartz wie eyn kole, kolschwartz. Agricola 605;

dar obe pfelle lâgen,swarz alsam ein kol. Nibelungen 356, 3;

ein eber dar ûf gesniten was
vil meisterlîchen unde wol
von swarzem zobel als ein kol.
Gottfr. v. Straszburg Trist. 167, 22 Maszmann;

der (schilt) was swarz alsam ein kol.
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 51, 3;

der (ritter) was gewâfnet wol,
und was swarz als ein kol.
Heinr. v. d. Türlin krone 14204;

vom rusz:

swer noch den grânât jâchant
wirfet in den swarzen ruoʒ.
Wolfram Willeh. 188, 27,

im vergleich:

(die katze) viel in eine swerzen,
daʒ si da von wart alsô swarz
sam ruoʒ und gebrennet harz. Reinh. fuchs 365, 2012.

schwarzes pech, harz, in vergleichen: schwartz wie bech. Agricola sprichw. (1534) 619;

der tagel was hem einvare,
krisp end swart als ein bech.
Heinrich v. Veldeke En. 5265 Behaghel;

eʒ lûhte alsam ein swarzes bech. schwanritter 904 (nach Germ. 9, 401);

der fuort in einem gelben velde
einen wurm, der was swarz,
als ein geliutert harz.
Ottokar 15974 Seemüller;

die (frau) branget ho, recht als eine flo,
ist ydel swartz als bech und hartz.
Muscatblüt 78, 20.

schwarze dinte, atramentum Stieler 2263. Kramer dict. 2 (1702), 701a. Frisch 2, 243b, schwarzer schnupftabak Jacobsson 7, 291a.
β) von nahrungsmitteln, speise und trank: schwartz mehl, farina negra cioè bruna Kramer dict. 2 (1702), 701c, grobes, das aus dem sechsten und letzten gange kommt Adelung. schwarz brot, panis subcineritius Stieler 1955, pan nero ò bigio Kramer dict. 2 (1702), 701c. Frisch 2, 243c, das aus schwarzem mehl gebacken wird Adelung (vgl. schwarzbrod): (der köhler) decket seinen tisch, legt sehr schwartz brot auff (wie der gemein bawersmann pflegt zu essen in Franckreich). Kirchhof wendunm. 2, 75 Österley; das commisbrod ist so schwarz, dasz zwei laib bei dem hellen tag ein zimmer finster machen. Abraham a S. Clara 100 närrinnen (1713) 50. schwarz fleisch, quod etiam das schwartze absolute dicitur, jus nigrum Stieler 1955. ein pfeffer oder schwartze brüe, jus nigrum Corvinus fons latin. 1 (1660), 338a, brodo nero, peverata, cibreo, civanza. Kramer dict. 2 (1702), 701a. schwarze suppe: unter den speisen der Spartaner ist die schwarze suppe berühmt; ein gericht zu dessen lobe gesagt wurde, die Spartaner hätten gut tapfer seyn, weil es kein so groszes übel wäre zu sterben, als ihre schwarze suppe zu essen. Schiller 9, 148. swarzer wîn quelle im mhd. wb. 2, 2, 764b. vom kaffee: bey dem toback trincken haben sie (die Perser) das heisse schwartze wasser chawae

[Bd. 15, Sp. 2311]


alsbald zur hand. pers. reise 5, 17, 314a; schwarzer kaffee, kaffee ohne milch.
γ) von bearbeiteten fellen, decken, zeug, kleidung und ähnl., schwarzer pelz, zobel:

declâchen hermînvil manegiu man dâ sach,
und von swarzem zobele,dar under si ir gemach
des nahtes schaffen soldenunz an den liehten tac. Nibel. 1764, 2;

sus (zobelîn) muose ûʒe und inne sîn
der pelliʒ und der mantel drobe.
der swechest balc wær wol ze lobe:
der was doch swarz unde grâ.
Wolfram Parz. 231, 7.

schwarze wolle, lana nigra Stieler 1956. Kramer diction. 2 (1702), 701a, schwartze seide, seta negra. ebenda, schwartzer zwirn, filo negro. ebenda, übertragen schwarzer zwirn under den nägeln, sordes unguium Stieler 2662. Kramer 2, 701a, schwartz band, nastro, fettuccio, bindello nero. ebenda, schwartz tuch, drappo nero. ebenda, schwarzer sammet: er war in schwarzen sammt gekleidet. C. F. Meyer denkw. tage (1878) 57; ein kleines in schwarzen sammet gebundenes gesangbuch. 59;

ir kappe ein rîcher samît
noch swerzer denn ein gênît.
Wolfram Parz. 778, 20;

gebt schwartzen sammit, der mit perlen auszgestikt.
Rist Parnasz 171.

schwartze kleider, atrabaticae Maaler 366c. Kramer diction. 2 (1702), 701a. Frisch 2, 243c, schwartzer mantel, pallium nigrum Steinbach 2, 535:

von beʒʒerm pirsgewætehœrt ich nie gesagen.
einen roc swarz phellînsach man in (Siegfried) tragen,
und einen huot von zobeleder rîche was genuoc. Nibel. 893, 2.

als zeichen der trauer: es ist mir der todt meines vatters wol so leid in meiner gelben kappen als meinem brder, schwager und euch allen mit einander in euweren schwartzen röcken. Wickram rollw. 169, 20 Kurz; wie jr dann wol wiszt, dasz alle nationen, .. wann sie äusserlich anzeigen jhr traurigkeit, so tragen sie ein schwartz kleid. Garg. 125a; freitags darauf .. (als der vater gestorben war) wurde mir plötzlich ein schwarzer anzug mit flor auf die stube gebracht. Grillparzer (1887) 11, 282;

ich pin peclaitt mit schwarzer wat ...
(mein lieb ist untreu geworden)
darümb musz ich traurn. fastn. sp. 777, 2;

noch trauern wir (die schwarzen jäger) im schwarzen rächerkleide
um den gestorbnen mut.
Körner 1, 62 H. Fischer.

mit ähnlicher symbolik läszt der dichter die Erinyen mit einem schwarzen mantel bekleidet sein:

ein schwarzer mantel schlägt die lenden.
Schiller 11, 244.

als tracht von mönchen, geistlichen:

ziehen leicht ab ihr schwarze kutt,
doch pleibt schwarz ir gemüt und haut.
Wickram kunst zu trinken 1, B 2a;

im bilde: lieber herr pastor, ihr enthusiasmus ist löblich, aber er schmeckt nach dem schwarzen rock. Lenz 1, 266. als tracht von studenten, mit scherzhaftem ausdruck: ein kerl der am schwartzen gefieder fast einem studenten ähnlich war. Weise erzn. 107. in adverbialer fügung schwartz gekleidet gehen, sich schwartz kleiden, andar vestito, vestirsi di nero. Kramer dict. 2 (1702), 701b. Adelung: Thibaut kommt, schwarz gekleidet. Schiller jungfr. v. Orl. 4, 8. ähnlich: der elter son (des verstorbenen) teth sich gans schwartz an, hieng ein leitzipfel an sein hals, wie sich dann gebürt. Wickram rollw. 109, 6 Kurz; er trägt sich schwartz, tunica nigra utitur Steinbach 2, 535.
k) von erde, gestein, mineral, metall, schwartze erde, terreno nero Kramer dict. 2 (1702), 701b: die erde ist nicht allenthalben schwartz, in Döringen ist sie schwartz, am Rein ist sie rot, wie wol die schwartz erde zum korn wachsen besser ist, denn die rotte, und die rotte zum wein wachsen besser denn die schwartz. Agricola sprichw. (1534) 600, im vergleich: schwartz wie die erde. ebenda, als ortsname: wie die leut erschlagen wurden auf der schwarzen erden. d. städtechr. 5, 6, 10 (Augsburg, 1372), als bezeichnung einer sehr eisenhaltigen erdart, die zum schwarzfärben und zur tintebereitung dient, humus tinctoria Jacobsson 7, 287b. schwarze stauberde, 'eine schwärzliche erde, die man meist über die erdfläche ausgebreitet findet', terreau noir. 4, 88a. schwarzes land, sprichwörtlich: brûn, swart lant drecht gût kôrn, fuscus ager fructus et farra ministrat optima. Tunnicius 1315. schwarzer sand: de depe[t] kegen Gloylant, de sal vinden clene swart sand. seebuch 10, 27; der sand aus morastigen gegenden ist schwarz. Eggers kriegslex. 2 (1757), 731.

[Bd. 15, Sp. 2312]


schwartze kreide, terra pinguis, quam cretam nigram dicunt. Corvinus fons lat. 1 (1660), 673a, pignitis Stieler 1956, creta negra Kramer dict. 2 (1702), 701a, 'ein verrotteter mürber schiefer, womit man schwarze striche machen und schreiben kann, wie mit einer kreide, craïe noire'. Jacobsson 4, 86a, ruszkreide, humus nigrica 7, 289a. schwarze steine: item de depe[t] twisschen Seynis unde Heysant, de sal vinden grot rot sant unde klene steneken dar under, rot unde swart. seebuch 10, 31;

ich sprich es wol,swarzer dan kol
so ist der stein.
Muscatblüt 8, 169;

Eblak heiszt die burg in Taima,
die ihm ist vertraut
von dem vater, aus gesteine
schwarz und weisz gebaut.
Rückert (1882) 4, 98.

symbolisch: vor zeiten haben die Traces und Creter durch weisse stein die freudenreiche glückfertige tag verstanden, durch schwartze die traurige unglückselige. Garg. 125a. bildlich: geben sie acht! sie werden über diesen schwarzen stein (Fiesko von Lavagna, weil ital. lavagna schiefer, schieferstein bedeutet) noch den hals brechen. Schiller Fiesko 2, 14. de swarte stein heiszt im götting. der basalt. Schambach 220b. schwarzer kalkstein, schwarzer marmor, marmor schistosum Jacobsson 7, 290b, marmel: die bencke waren gülden und silbern, auff pflaster von grünen, weiszen, gelen und schwartzen marmeln gemacht. Esther 1, 6;

von marmel swarz als ein kol
wâren gepfîlæret dâ vor
in die burc zwei wîtiu tor.
Wirnt v. Gravenberg Wigal. 181, 39;

die spiegelwand,
vor der, in hellem erzt und stufenweis erhöhet,
der lächelnde Fatill auf schwarzem marmor stehet.
Hagedorn 1, 22;

indem zog meinen blick ein ungeheurer hahn,
auf einem fuszgestell von schwarzem marmor, an.
Wieland 17, 183 (Idris 3, 95).

schwarzer granit Jacobsson 7, 290a, schwarzer achat, lapis obsidianus. ebenda, schwarz erz, mine de fer noir. 4, 88a, schwarzes braunsteinerz 7, 291b, schwarzes zinkerz, pechblende 292a, schwarzer kobalt 6, 292a, schwarzer ruszkobold, ochra coboldi nigra 5, 189b, schwarzer erdkobalt, kobaltmanganerz, kobaltschwärze, asbolan Karmarsch-Heeren3 5, 11, schwarzes kupfer, im hüttenbau, ungereinigtes Frisch 2, 243c. Adelung, vergl. DWB schwarzkupfer. schwarzes eisen, bei den eisenarbeitern, unverzinntes Adelung, bei den schlossern unpoliertes Jacobsson 7, 285b. silber, das stark mit kupfer versetzt ist, heiszt schwarz, im gegensatz zum reinen, weiszen silber: (eine budhe) de ghilt alle jar eyne halve mark swarthes silveres. quelle von 1331 bei Schiller-Lübben 4, 487a; umb virtzig marck schwartzis silbers luckowschis gewichtes. quelle bei Scherz-Oberlin 1460, ebenso münzen, die aus einer solchen mischung geprägt sind, schwarze pfenninge. Schmeller2 1, 429 (mit belegen aus dem 14.—16. jahrh.), als rechnungsmünze bei Jacobsson 7, 289b verzeichnet, wo auch als bairische münzen schwarze groschen, schwarze heller 289a und schwarze schillinge 291b (die beiden letzten arten als rechnungsmünzen) angeführt werden. auch hier gilt als gegensatz weisz. Schm. a. a. o. Schiller-Lübben 4, 487a: bekennen dat we verkoft hebben ene halve swarte mark ewichliken bi dem rade to O. vern Belen. quelle von 1352 bei Schiller-Lübben a. a. o.; es ist zu wiszen, dasz in dem jar, da man zalt 1457, liesz graff Ulrich Öttingen ain newe müntz schlahen, schwartz dn., die ward gar geng überall in Bairn und in Schwaben und gab [man] ie 22 gross für ain guldin. d. städtechron. 5, 222, 15; und welher paursmann disz unser gepot gevärlicher weis übertreten und also, wie obsteet (oben steht) nit halten würde, der sol durch sein gerichtsobrigkeit, so oft er sölhs überfärt umb acht pfenning schwarzer munz unser landswerung unnachlässig gestraft werden. landpot in Ober- u. Niderbaiern (1516) 41b;

Judas. disser (pfennig) ist doch swarcz.
Caiphas. sehe ein andern und ganck an ein harcz! Alsf. passionssp. 3222 Grein.


l) von gerät, geschirr, gegenständen überhaupt: schwarze waffen, rüstung: ein ritter in ganz schwarzer rüstung. Schiller jungfr. von Orleans 3, 9;

sîn schilt was swarz als ein kol.
Wirnt v. Gravenberg Wigal. 144, 26;

des wâfen was als ein kol
swarz.
Heinr. v. d. Türlin krone 17531.

schwarzes kochgerät, nd. swart pott, als musikalisches instrument, 'rummelputt' nd. korrespondenzbl. 8, 36. das folgende

[Bd. 15, Sp. 2313]


sprichwort geht wol auf schwärzung durch rauch: de pot wil ketel 't ferwiten, dat hê swart is. ten Doornkaat Koolman 3, 373a. schwarzer ofen, daher als vergleich: schwertzer denn der kachelofen. Agricola sprichw. (1534) 606. schwarzes töpferwerk, thongeschirr Jacobsson 7, 292a, schwarze tafel zum schreiben mit kreide, vgl. unten II, e. schwarzes brett auf hohen schulen, für anschläge, bekanntmachungen. Frisch 2, 243b. Adelung: dieses ist mein erstes teutsches programma, so ich in Leipzig anno 87. verfertiget, auch vielleicht das erste programma, das in Leipzig in teutscher sprache an das schwartze brett geschlagen worden. Thomasius von nachahmung der Franzosen 38, 4 Sauer. mit scherzhafter übertragung nennt J. Paul Titan 2, 130 deshalb das kaffee- oder theebrett das schwarze brett der nachreden (die stelle s. unter II, 1, c, α). weil schwarz als trauerfarbe gilt, sind schwarze särge üblich, errichtet man schwarze kreuze auf gräbern:

flittergold und rothe bänder rauschen
von den schwarzen kreuzen,
welche gräber zeichnen, wo ein jüngling,
wo ein mädchen schlummert.
Hölty 50, 22 Halm;

in deinem neuen engelreiz
erscheine mir, erscheine,
wenn ich, gelehnt ans schwarze kreuz,
auf deinem grabe weine! 174, 31.

ein schwarzes kreuz in weiszem felde ist das zeichen des deutschen ordens:

daʒ swartze crûce entpfiengen sie wider
von deme dûtschen hûse dô. livl. reimchron. 2012;

daher führt Preuszen ein schwarz und weiszes banner. ein schwarzes panier gibt der dichter im sinne der allgemein symbolischen bedeutung von schwarz dem tode: und er gedachte meiner in der lezten schweren stunde des scheidens, ... da schon das schwarze panier des todes ihm rauschte. Schiller räuber schausp. 2, 2.
m) schwarze schrift, schwarzer druck:

durch die schwartze schrifft kümmt kunst auff weisz papier.
Logau 2, 168, 49.

daher schwarz auf weisz, geschrieben, gedruckt Frisch 2, 243b, schwarz auf weisz haben, schriftlich Adelung: wenn man auch vor seiner nation so (wie die Italiener) stehen und sie persönlich belustigen dürfte! wir geben unser bestes schwarz auf weisz: jeder kauzt sich damit in eine ecke und knopert daran wie er kann. Göthe 27, 85; ich erwarte wohl, dasz mir mancher leser widerspricht, aber er musz doch stehen lassen was er schwarz auf weisz vor sich hat. 56, 138; ich hab' es hier in meinen excerpten und kollektaneen schwarz auf weisz. J. Paul Siebenk. 1, 144; gibt's der herr .. mir etwa schwarz auf weisz, dasz diesen heillosen sünder in der einsamkeit die verzweiflung packt? Hebbel (1891) 9, 11;

ach, wie traurig sieht in lettern,
schwarz auf weisz, das lied mich an,
das aus deinem mund vergöttern,
das ein herz zerreiszen kann!
Göthe 1, 115;

denn, was man schwarz auf weisz besitzt,
kann man getrost nach hause tragen. 12, 97;

und wenn ich dir's nun bringe, schwarz auf weisz,
dasz alle chefs, die hier zugegen sind,
dir blind sich überliefern.
Schiller Piccol. 2, 6;

hier meine unterschrift. da ihr
den todten zügen einer welken hand
mehr traut, als dem lebendig warmen wort,
das von dem mund der liebe fortgepflanzt,
empfangen wird vom liebedurst'gen ohr,
hier schwarz auf weisz.
Grillparzer (1887) 8, 84.

sprichwörtlich: schwarz auf weisz oder gar nicht. Simrock 440, 9337; mit substantivierung: schwarz auf weisz redet. 9336a; schwarz auf weisz scheidet die leute. 9338;

schwarz auf weisz
behält den preis. 9336.

dafür schwarz und weisz: der graf war richtig dort, wie ihr sagtet, und bezahlte mit schwarz und weisz (der liste der proscribierten) das weggeld zu einem konterbandenen himmelreich. Schiller Fiesko 3, 4. schwarze noten, die einen gefüllten kopf haben () im gegensatz zu den weiszen () Adelung.
n) der schwarze tod, benennung der groszen seuche, die um die mitte des 14. jahrh. Europa verheerte, wegen der schwarzen beulen am körper der kranken. vgl. Hecker der schwarze tod im 14. jahrh. (1832). (der name scheint in gleichzeitigen deutschen quellen nicht zu begegnen. bei Closener heiszt die seuche das grosze sterbote. d. städtechr. 8, 120, 13, in der Limburger chronik das grosze sterben. 9.) mit beziehung auf schwarz im sinne von unheilvoll (II, 1):

[Bd. 15, Sp. 2314]


einst wüthet' eine pest durch Europa's nord,
genannt der schwarze tod. wenn der schwärzere,
die sittliche, mit der ihr heimsucht,
sich nur nicht auch zu dem norden hinwölkt.
Klopstock 7, 12.


o) das schwarze meer, pontus Euxinus Stieler 1956 und so noch heute, übersetzung des russ. tschernoe moore, türk. kara dengis, neugriech. μαυρι θαλασσα, wie es wegen seines düsteren charakters heiszt.
p) der schwarze sonntag, dom. passionis, qua altaria, imagines, suggestus atra veste teguntur Scherz-Oberlin 1460, auch der sonntag judica. ebenda. Schm.2 2, 649. Schöpf 659: der brief geben daz (wol dâ ze) S. Pölten nach C. G. uber 1340. jar an dem schwarzen sonntag in der vasten. quelle bei Scherz-Oberlin a. a. o. schwarzer mittwoch, der mittwoch der karwoche: die panthägigung (gerichtsversammlung) aber solle alle zeit am schwarzen mittwoch auf den rathhausz vorbeigehen. östr. weisth. 6 (steir. u. kärnth. taidinge), 253, 29 (18. jh.); damit aber nun alles und jedes was in diesen puncten enthalten in frischer gedächtnusz künftighin alle zeit verbleibe, als sollen die puncten vor gesamter bürgerschaft alle zeiten an schwarzen mitwoch öffentlich alle jahr vor gesammter gemeinde und bürgerschaft abgelesen werden. 255, 36. schwarzsonnabend, der sonnabend vor ostern, an dem zuletzt altar- und kanzelbekleidung schwarz sind. Frischbier 2, 328b.
q) schwarze kunst heiszt eine art des kupferstechens, wobei man die ganze platte mit einem dunklen grundton versieht und die hellen stellen des bildes dann durch mildern oder entfernen dieses grundtons herstellt. Jacobsson 4, 86a.
3) im sinne von 'schmutzig', vgl. lat. sordidus. von personen: du sæhest vil gerne, daʒ sie (deine diener) dir deste baʒ dienten unde dich lieber hæten danne ander liute; unde du des gar wol inne würdest, daʒ sie den swerzesten schüʒʒelspüeler lieber hæten den dû iendert hætest. Berth. v. Regensburg 1, 243, 25; sikk swart maken, sich besudeln Dähnert 477a;

dafür ich sich
nur kelber, gaiss, pöck, rinder,
und knospôt (holzschuhe tragende) leut, sbartz, hesselîch,
vast ruessig gên dem winder.
Osw. v. Wolkenstein 3, 2, 17.

schwartze zäne, denti sporchi Kramer dict. 2 (1702), 701c. Steinbach 2, 535. Frisch 2, 243c, schwarz zeug, sive wäsche, linteamenta sordida Stieler 1956, schwartze wäsch, schwartz getüch, gerät, leingerät, zeug, panni sporchi, brutti, pannilini sucidi, biancheria non lavata. Kramer dict. 2 (1702), 701c, ein schwartz hemd, schnuptuch, tischtuch, camiscia sucida, fazzoletto sporco, tovaglia unta. ebenda, schwarze wäsche, ein schwarzes hemd. Adelung, schwarze wäsche. Hupel 214. Frischbier 2, 328a, schwarzes zeug, unreine wäsche Pfister 1. ergänzungsheft 24, ebenso nd. swart tüg Dähnert 477a, swarte hemmen, hemden Schambach 220b: es ist meine schwartze wäsche, ich will sie zu meiner wäscherin tragen. Chr. Reuter Ehrenfried 109; viel leinzeug schwartz machen. Kramer dict. 2 (1702), 701c; dasz ich .. meine schwartze wäsche bey derselbigen reinigen liesse. Plesse 1, 66;

die herren riten ungeschuoch:
ir hemde was ein sactuoch,
gezerret, swarz, unde grôʒ.
Hartmann v. Aue Iwein 4929;

swer sîn gewant offen treit
sô dâ eneben daʒ man im siht
sîn lînwât swarz und des ich niht
nennen wil noch ensol,
eʒ gevellet niht den wîsen wol.
Konr. v. Haslau jüngl. 682.

eine zeitung schwarz lesen, im bilde: daher bekam er, aus mangel an verbindungen, die mündlichen hofzeitungen erst, wenn alle heiducken, die lakaien der pagen und die einheizer sie schon schwarz gelesen hatten. J. Paul Hesp. 3, 18. von schmutzigem gerät: es will jm nicht schmacken ausz den schwartzen schmutzigen hofbechern zutrincken. Garg. 46b.
II. in unsinnlicher anwendung.
1) unheilvoll, böse, schlimm, traurig, in der bedeutung dunkel wurzelnd (I, 1), eng mit dem symbolischen gebrauche von schwarz (I, 2, b) zusammenhängend.
a) die entwicklung solcher anwendung vermitteln bilder gleich den folgenden: si (die kirche) uuas ze êrist fusca (suarz), er si begondi peccata sua confiteri (iro sundon bigiêhin), aber confitendo (bigiht tuôndo) uuard si dealbata (keuuîʒʒit). Notker ps. 103, 1; et pullis corvorum (die zuerst weisz sein sollen) invocantibus eum. unde die iunginen dero rammo ze imo harenten. pagani uuaren suarz fone sundon. dero chint sint nu geloûbig unde harênt in ana. 146, 9;

[Bd. 15, Sp. 2315]


diu Welt ist ûʒen schœne,wiʒ grüen unde rôt,
und innân swarzer varwe,vinster sam der tôt.
Walther 124, 38;

der unstæte geselle
hât die swarzen varwe gar,
und wirt och nâch der vinster var:
sô habet sich an die blanken
der mit stæten gedanken.
Wolfram Parz. 1, 11;

swen uns daʒ hâr beginnet wîʒen,
so solte wir tag und naht uns vlîʒen,
daʒ dennoch unser sêle wîʒ würde,
ûf der leit swarzer sünden bürde.
Hugo v. Trimberg renner 10371.


b) vom handeln und seinen inneren ursachen, unheilvoll, böse, hinsichtlich der wirkung auf andere: schwarzes gemüth, herz, schwarze seele, schwarzer geist: warum erblickte ich deine schwarze seele nicht einige monathe eher in ihrer ganzen abscheulichkeit? Adelung;

wer aber bey sich selbst, was ihr für löblich acht,
eu'r mehr denn falsches hertz' und schwartz gemüth betracht;
den, glaubt mir, werdet ihr Lucinde nicht entzünden.
A. Gryphius (1698) 1, 312;

der frevler speyt in wellen rother flut
die schwarze seele aus.
Wieland 22, 39 (Ober. 1, 62);

die bohren manches mörderschwert
in seine schwarze seele;
sein schwarzer, falscher geist entfährt,
wie schwefeldampf der hölle.
Hölty 33, 50 Halm;

darob entbrennt in Roberts brust,
des jägers, giftger groll,
ihm längst von böser schadenlust
die schwarze seele schwoll.
Schiller 11, 248.

schwarzer neid, undank, schwarze bosheit, empfindung, schwarzes laster, verbrechen, betragen, schwarzer frevel, vorsatz, schwarze that, schwarzes werk u. ähnl.: sein betragen gegen Danischmend ist schwarz; aber dankbarkeit war so wenig seine sache als irgend eine andere tugend. Wieland 8, 291; zu ihrem eigenen besten sah ich sie wohl dinge wagen und ausführen, die mir klar genug bewiesen, sie seyen der frechsten kühnheit, der geschmeidigsten gewandheit, der tiefsten list, der feigsten, schwärzesten bosheit ... fähig. Klinger 7, 70; wird nicht jeder meines volks, das den beweggrund deines weigerns nicht weisz, und wüszte es ihn, ihn kaum fassen würde, mich des schwärzesten undanks gegen dich anklagen? 267; von dem augenblick, da er zu hoffen aufhörte, mischte sich hasz in seinen neid, und diese beyden schwarzen empfindungen haben nun sein herz so vergiftet, dasz ihm jedes mittel gleich ist, macht zu erhalten und sich an dir und dem sultan zu rächen. 107; wuth und verzweiflung werden mir das schwarze geheimnisz seiner mordthat erpressen. Schiller kab. u. liebe 3, 4; er wird mir schwarzen undank zur last legen. 4, 9; obgleich der einzelne frei ist — zur schwärzesten und zur lichtesten that. J. Paul dämmer. 5;

will ietzt von disem glas nicht eben auch vil sagen,
dasz, wie ein zügigs ärtz, sich dänen lies' und schlagen,
ja bilden wie man wollt, weil ie der schwartze neid
es alsobald vertutscht, und durchausz keiner zeit
zulieb gegünnet hat.
Rompler 53;

wie konnt' ich über andrer sünden
nicht worte genug der zunge finden!
wie schien mir's schwarz, und schwärzt's noch gar,
mir's immer doch nicht schwarz g'nug war.
Göthe 12, 188;

das schwärzeste komplott entspinnet sich
vor deinen augen.
Schiller Picc. 5, 1;

schwarze verbrechen verbirgt diesz haus. braut von Mess. 967;

kennst du ein schwärzres laster als den undank?
Grillparzer (1887) 3, 206;

weh mir! noch in meines alters tagen
muszt' ich unbewuszt dienen so schwarzem werk! 4, 234;

schmachtet nicht mein alter ohm,
er, der sprachlos unglücksel'ge,
schwarzer frevel falsch beschuldigt,
ungehört und unvernommen,
rechtlos hinter schwarzen mauern,
überwiesen, weil verklagt? 6, 195;

(scherzhaft pathetisch:)
auf der mauer sasz der riese,
mit den beinen düster baumelnd,
tief im herzen schwarzen vorsatz,
traurigkeit im finstern auge
über seine strenge tugend,
die ihn morden hiesz, den guten.
Immermann 12, 76 Boxberger.

ebenso vom handelnden selbst, wenn dieser durch ein entsprechendes nomen agentis bezeichnet wird: den finger meiner rechten hand wollt ich drum geben, dürft ich sagen, er ist ein lügner, ein schwarzer giftiger lügner. Schiller räuber schauspiel 1, 1; dieser unglückliche fürst sahe sich jetzt unwiderruflich aus

[Bd. 15, Sp. 2316]


dem besitz seiner staaten vertrieben, ohne vor dem gerichte, das ihn verdammte, zuvor gehört worden zu sein, eine gerechtigkeit, welche die gesetze auch dem geringsten unterthan, auch dem schwärzesten verbrecher vergönnen. schriften 8, 115;

doch wo die spur, die aus der menge,
der völker flutendem gedränge,
gelocket von der spiele pracht,
den schwarzen thäter kenntlich macht? 11, 242;

sie (Johanna) ist keine schwarze zauberin! jungfrau von Orleans 5, 8

(vgl. dazu schwarze kunst unter d).
c) weiter dann wie unheilvoll, schlimm, traurig.
α) von umgebenden verhältnissen, so von der zeit, in der folgenden stelle wol nach griechischem vorbild:

der wirt empfahen grossen lohn,
in schwartzer zeit weisse kräntz han. buch der liebe 191c (Theagenes u. Chariclia).

mit beziehung darauf: da fiel dem Charicli zu, wie Apollo geweissaget hatte, sie würden in schwartzer zeit weisse kräntz tragen. 229, 1, aber auch selbständig, besonders in neuerer dichtersprache: trauriges schicksal, dasz meine schwärzesten tage eure glücklichen waren! Schiller kab. u. liebe 4, 9; eine unsichtbare fürchterliche hand schwebte über mir, der stundenweiser meines schicksals zeigte unwiderruflich auf diese schwarze minute (wo der feind in meine hand gegeben war). schriften 4, 71;

der fremde (auf der brücke niedersinkend).
blutig! blutig! schwarzer tag!
Grillparzer (1887) 6, 158.

schwarze stunde, todesstunde: mich deucht, seine schwarze stunde schlägt. Schiller räuber schauspiel 4, 5, mit scherzhaftem begriffswandel auch für kaffee- oder theestunde: mädchen ... erstehen statt eines solchen Eden-parks (jünglings-schwärmereien sind gemeint) einen hübschen holländischen garten, gut zugeschnitten von krebs- und damenscheeren, und (nachmit -)täglich dargereicht von der schwarzen stunde, die ihnen auf dem kaffee- oder theebrette, das schmale schwarze bret einiger übeln nachreden, .. die hoffnung des häuslichen referats serviert. J. Paul Titan 2, 130. deutlicher ist die beziehung dieser anwendung zu der vorigen in den folgenden verbindungen:

ein schwarzes, feindliches geschick
entrief sie dieser scene.
Hölty 181, 13 Halm;

nach griechischem vorbild:

ja, nicht ahnen sie etwa den tod und das schwarze verhängnisz.
Voss Od. 2, 284;

denn er war allen verhaszt, wie das schwarze todesverhängnisz.
Bürger 212a (Il. 3, 451).

ähnlich:

ihm (dem kinde) ruhen noch im zeitenschoosze
die schwarzen und die heitern loose.
Schiller 11, 307.


β) vom empfinden mit bezug auf den träger desselben, selten von sinnlichem: die ehrsichtigen, die da meynen sie haben ihre adeliche schild und wapen in der sündfluth verlohren, und diese auff den Hartz- oder Schwartzwald wiederfunden, wollen gerne vor reich angesehen werden, da sie doch zu hause den schwartzen hunger leiden. Schuppius 410, adverbial nd.: et is swart kàld, sehr kalt Woeste 265a (wie 'bitter kalt, eine bitterböse kälte'). häufiger vom seelischen, schwarze erfahrung: hätte ich die schwarze erfahrung nicht an ihnen (den menschen) gemacht. Klinger 7, 60. schwartze gedancken, pensieri negri cioè melancolici. Kramer dict. 2 (1702), 701c, sorgen, schwarzer gram:

wenn Phillis dir den schwarzen gram versingt.
Hagedorn bei
Adelung;

wir singen
und springen
und sind nun froh
und leben also
ohne alle schwarze sorgen. wunderhorn 1, 394 Boxberger.

ähnlich prädicativ schwarz sehen, sich schlimme folgen, schlimmes für die zukunft ausdenken. vgl. DWB schwarzseher.
γ) von der miene als spiegelbild des inneren, finster, mürrisch: hê mâkt so'n swart gesicht. ten Doornkaat Koolman 3, 373c; adverbial: hê kikt so swart ût. ebenda; hä kiket swart Woeste 265a.
d) in diesen zusammenhang tritt auch die in alter zeit häufige verbindung schwarze kunst als übersetzung des mlat. nigromantia, das eine miszverständliche umbildung des griechischen νεκρομαντεία ist. der ursprüngliche begriff der todtenbeschwörung, der auch bei dem deutschen ausdruck gelegentlich noch hervortritt, erweitert sich zu dem der zauberei mit hülfe von geistern, die nach der lehre der kirche böse geister sein müssen, des

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teufels, höllischer, böser zauberkunst. vgl. darüber kunst II, 3, d, δ, theil 5, 2677. 2678. zu den dort beigebrachten zeugnissen mögen die folgenden hinzugefügt werden: swartze, schwartze, nd. swarte kunst, nigromantia, nigramantia Dief. 380b, swartze konst, schwartz kunst, necromantia 377b, schwartze kunst, Dardaniae artes Dasypodius, schwartze kunst, magice (-ca?), magia Maaler 366c. Corvinus fons lat. (1660) 1, 385b, schwarze kunst, necromantia Stieler 1956, magia 1110, l'arte negra cioè magica ed infernale Kramer diction. 2 (1702), 701c, magia, ars magica, necromantia Steinbach 1, 536. Frisch 2, 243c. Adelung: sundirlich was her (Klingsor) wol erfarn in astronomien unde in der swarzin kunst. leben des heil. Ludwig 10, 16; went do her (Julianus) eyn kint was, doe was he by einem meyster gewest, der myt der schwarzen kunst ume ginck. seelentrost 23b; herr Ludwig von Liechtenberg, herr Jacobs sone, ist ain wunderbarlicher herr worden und der sich mit der schwarzen kunst vil beladen hat. Zimm. chron.2 1, 472, 7; er name sich der schwarzen kunst an, verbannet und beschloss ain gaist in ain glas, und wann er ussgeritten und wider heim kam, so must im der gaist sagen, was hiezwüschen fürgangen und wie das gesind haus gehalten. 476, 12; und wiewol im der urhab mit seinem bösen schenkel in der mummerei begegnet, so ist doch nit zu zweifeln, der schad hab sich von wegen der schwarzen kunst, damit er so tag so nachts umbgangen, bei im gemeret. 574, 34; und wiewol das mit fraw Venus berg für ain fabel und erdicht ding geachtet wurt, so ist doch nichts gewissers, dann das bei unsern vordern vil dieselbig abenteuern versucht, in dem berg gewesen, auch ains thails die schwarzen kunst darin gelernet, sich varende schuoler genempt und von wunderbarlichen ungleublichen sachen reden haben künden. 2, 31, 10; es kam ein abenteurer dahin, so mit der schwarzen kunst umbgienge; der beschwur ain gaist, daʒ er sich in eines jungen knaben daumennagel erklert und wunderbarliche ding zaigt. 4, 38, 11; als dozumal die vahrenden schueler im landt darafter zugen, die sich der schwarzen kunst annamen und sich hören liessen, sie weren in fraw Venus perg gewest. 308, 3; die vermeinten künstler, die da wollen solche saganas zwingen in ihren willen, als die thund, die sich der schwarzen kunst rühmen und dergleichen über solche gewaltig zu sein. Paracelsus (1590) 8, 201;

do kunde he alle de kunste gemeine,
sunder de swarten kunst alleine. quelle bei
Schiller-Lübben 4, 487a;

ich bit euch, hab ich ewer gunst,
ir wölt durch ewer schwartze kunst
den bachen dieb nöten und zwingen,
mein bachen mir wider zu bringen.
H. Sachs fastn. sp. 4, 40, 150 neudruck.

unterschieden vom glauben an gute holden, der aber auch als unchristlich getadelt wird: dat drydde, dat dyt capittel roret, is unlove efte wyckerie efte toverye, dar neen christenmynsche an loven schal .. wente mannich is, de menet, dat eyn dach meer sy vorworpen alze de ander: etlyke löven an de guden holden, etlike an de swarten, düuelschen kunst. glosse zu Reinke des Vos 1, 12 Prien, von der weiszen magie, der theurgie, bei der gute geister mitwirken sollen. Adelung. selten pluralisch: ein megister in schwartzen künsten. Aimon b. als lehrer der schwarzen kunst wird der teufel schwarzer meister genannt: nun ware einsten unter diesen schülern (des teufels) ein marggraf von Villano gewesen, welcher sich auch von diesem schwartzen meister unterrichten lassen. Plesse 3, 26 (vgl. Haupts zeitschr. 1, 277, 286 unter I, 2, e). lehrbücher solcher höllischen kunst heiszen gleichfalls schwarz: ouch hettent sü (die cardinäle auf dem concil zu Pisa) bi in meister die die swartzen bch daʒ ist zouberkunst und den tyfel besweren kundent. d. städtechr. 9, 613, 21 (Straszburg, Königshofen);

nû chundet uns daʒ buoch sus,
daʒ der priester, der hêrre Eusêbîus,
di wîl er jungelinch was,
in den swarzen buochen er las (er beschwört den teufel damit). kaiserchron. 13218 Schröder;

nû lêr etz in (den pabst) sîn swarzeʒ buoch, daʒ ime der hellemôr
hât gegeben.
Walther 33, 7;

die swarzen bûch kond er wol,
darûʒ heten im geseit
die tûvele nâch ir wârheit,
daʒ er mit grôʒen werden
noch keiser solde werden. pass. 155, 94 Köpke;

nigromanzîe kond er wol;
die buoch sint swarz und vreisen vol.
Boner 94, 6;

[Bd. 15, Sp. 2318]



wir wellen das wol zu pringen
mit hofflichen dingen,
und solt wir es suochen
in den swarzen puochen,
da stet zauberei innen. fastn. sp. 509, 3 Keller.

offenbar mit spottender beziehung auf Wolframs Parz. 453, wo der dichter berichtet, sein gewährsmann Kyôt habe die âventiure in einem heidnischen buch gefunden, zu dessen verständnis er den list von nigrômanzî habe lernen müssen, sagt Gottfried v. Straszburg:

sone hân wir ouch der muoʒe niht
daʒ wir die glôse suochen
in den swarzen buochen. Trist. 119, 10 Maszmann.

schwarze bücher im gegensatz zu weiszen, guten, heiligen, der bibel:

wan swer diu swarzen buoch nu kan,
der ist zu hove ein werder man,
der wîʒen buoche nieman gert,
swer ofte diu nennet der wirt unwert.
Hugo v. Trimberg renner 2216.

nd. 't swarte faderunser, eine geheime beschwörungsformel zum behexen oder festbannen. ten Doornkaat Koolman 3, 373a.
e) schwarzes buch erscheint auch in anderem sinne, als gerichtsbuch, strafbuch, wie rotes buch. J. Grimm kl. schriften 6, 261, schwarzes büechlein zur verzeichnung von strafen für reukäufe u. s. w. Birlinger Augsb. wb. 405b (von 1647): so welic man de so stelt beneden 1 verdinc, iset dat he untkumt, den sal men scriuen in dat swarte boc. quelle bei Schiller-Lübben 4, 487a. möglicherweise geht das zunächst auf den einband. aber die farbe des einbands hat dann eine symbolische bedeutung, die rote die des bluts, die schwarze die des unheilvollen, und der ausdruck schwarzes buch gewinnt jedenfalls eine allgemeine bedeutung im oben angegebenen sinne. ein buch zur verzeichnung von strafen und buszen heiszt auch schwarzes register. J. Grimm a. a. o. so heiszt denn im schwartzen register, im schwartzen buch eingeschrieben seyn, esser' infame per i suoi crimi e delitti. Kramer diction. 2 (1702), 701c. als gleichbedeutend damit wird dort angeführt an der schwartzen tafel angeschrieben seyn. auch hier ist die schwarze tafel die böse, aber zugleich auch wie alle tafeln zum anschreiben wirklich von schwarzer farbe. der ausdruck erklärt sich durch den brauch, wie er bei den handwerksgesellen herrschte, solche, die sich gegen die gewohnheit des handwerks vergangen haben und ohne sühne davongezogen sind, durch anschreiben an die schwarze tafel zu strafen. Jacobsson 7, 292a. auch als in schulen und wirtshäusern übliche sitte führt Adelung an, die namen solcher, die sich übel verhalten, an die schwarze tafel zu schreiben. als eine verkürzung der oben erwähnten verbalen fügungen läszt sich auffassen: einen schwartz anschreiben, infamare, vituperare, calumniare uno. Kramer dict. 2 (1702), 701c. auch jemanden bey einem andern schwarz anschreiben. Adelung (als oberdeutsch bezeichnet). in gleichem sinne einen schwartz machen bey jemand. Kramer a. a. o. Hügel 146a, einen schwarz machen, verläumden. idiot. austriac. 121. Schöpf 659, nd. ên swart maken ten Doornkaat Koolman 3, 373a, was jedoch nicht aus den obigen ausdrücken erklärt zu werden braucht, sondern durch unmittelbare übertragung von schwarz auf unsinnliches gebiet (s. oben b) entstanden sein kann: die conspiration von Engellandt wirdt starck hir geleügnet undt man gibt vor, könig Will sprewe disz geschrey nur ausz, beyde könige hir schwartz zu machen. Elis. Charlotte 1, 62 (36. brief) Holland; sehet, so grosz ist die bosheit, unsere lehre auffs allerschändlichste zu verleumbden, damit sie uns und unsere lehre bey ihren glaubens-genossen schwartz machen mögen. Sperling Nicodemus quaerens et Jesus respondens 2 (1719), 515; mögen sie mich schwarz machen, wie den teufel, wenn ich Seraphinen erhalte, bin ich engelrein. Lenz 1, 235. schwarz stehen, schwarz angeschrieben stehen, sein: dasz er nicht viel wesens davon (einem duell) machen möge, damit es nicht auskomme, denn ich (ein student) ohne dasz ziemlich schwartz und auff dem sprunge stehe. Schoch studentenleben G 3b (3, 4). schwartz bey einem werden, in maximum odium alicuius pervenire. schwartz bey einem seyn, esser negro cioè infame, infamato, appresso di uno. Kramer dict. 2 (1702), 701c. Frisch 2, 243c. Adelung.
2) solche wendungen werden auch auf geldschuld, geldmangel bezogen: schwarz angeschrieben ist auch der, dessen zeche auf der schwarzen wirtshaustafel 'angekreidet' steht, der etwas schuldig ist Schm.2 2, 649. schwarz sein heiszt in der gaunersprache 'kein geld haben', im gegensatz zu schneeweisz sein, viel geld haben. Avé-Lallemant 4, 606, daher auch sonst wol landschaftlich: heund bin i' ganz schwarz, habe kein geld Hügel 146a.

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in gleichem sinne scherzhaft: vor angst krieg' ich noch das gelbe fieber, das schwarze hab' ich so in allen taschen schon. Raimund (1891) 3, 32 (unheilbringende krone 1, 14). entsprechend schwarz werden, sein geld verlieren, um das seine kommen. Avé-Lallemant a. a. o., jemand schwarz machen, ihm das geld abnehmen, besonders im spiel. ebenda. statt des begriffs der moralischen minderwerthigkeit, wie ihn diese wendungen sonst zeigen (s. 1, e), erscheint hier also ganz den gaunern gemäsz der der besitzlosigkeit. mit solcher anwendung hängt vielleicht wieder die allgemeinere beim spiel zusammen. schwarz ist beim kartenspiel, so beim skat, wer keinen stich bekommt: einer ist, wird schwarz, seltener wird schwarz gemacht. vgl. jedoch schwarzer Peter unter I, d, γ.
3) schwarz dient weiter zur bezeichnung starrer kirchlicher gläubigkeit, dunkelmännischer art. man sagt: dieser pfarrer ist ganz schwarz, schwärzer als jener.
4) landschaftlich heiszt es auch 'trunken', wol wegen der verdunklung des bewusztseins, besonders nd. Frommanns zeitschr. 5, 69, 36: er hat sich schwarz gemacht. Lichtenberg 3, 75; hai is swatt. Woeste 265a.
III. substantiviert.
1) der schwarze, ein schwarzer.
a) mensch mit schwarzer oder dunkler hautfarbe, dunklem haar, dunklen augen, ein schwartzer, un moro negro, un negro, un etiopo. Kramer dict. 2 (1702), 701a, ein schwarzer, neger. Adelung: die schwarzen sind sehr eitel, aber nach negerart. Kant 7, 436; (im bilde:) das sind also die schwarzen ihrer palmenplantage. Herder zur rel. u. theol. 1, 29;

von Jochris der swarzeder nimt niht war keiner getelôse. jüng. Titurel 3233, 4.


b) mensch in schwarzer kleidung, schornsteinfeger (dessen gesicht ja auch meist geschwärzt ist), geistlicher Albrecht 209b.
c) der teufel heiszt der schwarze Schöpf 659. Albrecht 209b, aber nicht nur mundartlich: denkt er denn, dasz ich den schwarzen nicht auch im bunten kittel erkennen werde. Göthe 11, 297; der schwarze hat keine macht über mich. Grimm märchen 92;

mîn plüende rôs (gott) nu strît für mich
und lâ mich verzagen niht,
wan der swarze fürhtet dich,
der mich tac und naht an siht. 'gott und die seele' bei
Bartsch erlösung und andere geistl. dichtungen 214, 12;

und haben wir in traubensaft
die gurgel ausgebadet,
so machen wir uns muth und kraft,
und mit dem schwarzen brüderschaft,
der in der hölle bratet.
Schiller räuber schauspiel 4, 5;

ich glaub', es ist der schwarze selbst gewesen,
ein mensch kann nicht auf einmal so verschwinden. Wallensteins tod 2, 3.


d) mensch von strenger rechtgläubigkeit, feind der aufklärung, dunkelmann.
e) schwarzer dient auch zur bezeichnung einer rebenart, blauer Klävner (für rotwein). Pritzel-Jessen 445b (Wein- u. Schrieszheim a. d. Bergstrasze).
2) die schwarze, eine schwarze.
a) mädchen, frau mit schwarzer oder dunkler hautfarbe, dunklem haar, dunklen augen, sprichwörtlich:

lieber eine schwarze (zur frau) mit ihren grillen,
als eine blonde mit goldenen pillen (dukaten).
Wander 4, 427.


b) kleine schwarze heiszt eine rebenart, blauer färber (für dunkelrotwein). Pritzel-Jessen 444b (Ungarn bei Rust).
3) das schwarze, etwas schwarzes.
a) allgemein, schwarzer gegenstand, was schwarz ist: Mathilde. was verdrieszt euch denn? Dragones. allerhand, so und so, manchmal eben, dasz das schwarze nicht grün ist und das grüne nicht schwarz. F. Müller 3, 63. gnomisch: das schwarze macht eher häszlich als das weisze schön. Wander 3, 427;

valsch kêrt minn zunminne unde guot
ze übelen dingen, unde daʒ wîʒe
ze swarzem mit al sînem vlîʒe.
Thomasin v. Zircläre wälscher gast 1379.


b) das schwartze an der scheiben, scopus Corvinus fons lat. (1660) 1, 575b. Frisch 2, 243b, das schwarze in der scheibe Adelung: als es nun an in kam, schlug er den hacken ongefehr an, druckt losz, und trifft mitten im schwartzen den nagel oder zweck, daran die scheiben auffgehenckt war. Kirchhof wendunm. 1, 119 Österley. bildlich: weil sie aber zu weit neben dem brett gestanden, und das schwartz oder zweck des wahren kreisz des h. reichs nicht wol under die

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augen zu sehen bekommen, hat es ihnen in diesen zwerch und blind schützen nicht wol mögen gelingen. Goldast reichssatzungen epistola dedic. in das schwartze schiessen, toccar' il nero del bersaglio cioè il segno. Kramer dict. 2 (1702), 701b, zum schwarzen schieszen (in älterer sprache): wiewol sie zimlich zum schwartzen schossen. Kirchhof wendunmuth 1, 118 Österley;

ich habe oft geschossen in das schwarze,
und manchen schönen preis mir heimgebracht
vom freudenschieszen.
Schiller Tell 4, 3.

ebenso ins schwarze, das schwarze treffen:

das schwarze treffen in der scheibe, das
kann auch ein andrer, der ist mir der meister,
der seiner kunst gewisz ist überal. 3, 3.

bildlich, das richtige treffen: dann sie seyn gelehrte leuthe, welche über ein jedes wort oder silbe disputiren, ethymologisirn, streitten, fechten und zancken können, da ein jeder recht und das schwartze in der scheib getroffen haben will. Simpl. 4, 386, 14 Kurz. verkürzt schwarz schieszen: mit der büchse trifft er (Egmont) erst, wie keiner in der welt. nicht etwa wenn er glück oder gute laune hat; nein! wie er anlegt, immer rein schwarz geschossen. Göthe 8, 170 (Egmont 1, 1);

(in einer schilderung dieser scene:)
die armbrust knackt: zwei kreise, drei getroffen!
der sieger wird glückwünschend schon begrüszt;
da tritt noch einer vor, ob kaum zu hoffen,
hält er den einsatz mit und zielt und schieszt
rein schwarz.
Grillparzer5 3, 18.

drei ringe schwarz schieszen: drey ringe schwarz, die habt ihr eure tage nicht geschossen. Göthe 8, 169.
c) das schwartze in augen, il nero cioè la pupilla dell' occhio Kramer dict. 2 (1702), 701b, das schwarze im auge Adelung, wo es als bezeichnung des augapfels genommen ist. wir verstehen darunter wie Kramer meist die pupille. das schwarze des augapfels: behüte mich wi das schwartze des augapfels. Melissus ps. 17, 18 (ut pupillam oculi. vulgata). allgemeiner: es gehet mir aber wie jener jungfer, welche sagte, sie sey schön genug, allein ihre schönheit sey nicht recht versetzt. das rothe, dasz sie an den lippen haben solt, das habe sie in den augen, das schwartze, das sie in den augen haben solt, das habe sie an den zähnen. Schuppius 100;

was ist das schwartze doch, mein kind,
das sich in deinen augen findt? auserlesene gedichte 2 (1697), 59.


d) das schwarze am, unterm nagel, der unter dem vorstehenden rande des fingernagels sich ansammelnde schmutz. sprichwörtlich zur bezeichnung der geringsten kleinigkeit: ock nitt so viəl as dat swatte vam nagel, ne hilum quidem Woeste 265a; man gönnt mir das schwarze am nagel nicht. Schmid 626; i ho nüt's schwarz unter'm nag'l kriagt. Wander 4, 427 (Franken); nicht wahr, ihr mannen, es ist kein ehrlicher mann im ort und in der ganzen gegend, der dem Luzian das schwarze unter dem nagel beleidigen möcht? Auerbach dorfgeschichten 3, 154. das schwarze am nagel ist auch das durch den schmutz schwarz gefärbte nagelende: ich haue dir in freier luft das schwarze vom nagel weg. Hebel (1869) 1, 247.
4) schwarz, n.
a) finsternis: schwarz — schwimmt — vor meinen — augen. Schiller räuber schauspiel 2, 2;

thâr (in der hölle) is hêt endi swart
egislîk an innan. Heliand 1780 Heyne.


b) schwarze farbe, sich in schwarz kleiden:

schöns lieb, du hast mir das verkündt,
in schwarz wöllst du dich kleiden.
Erck-Böhme liederhort 2 (1893), 608b (16. jh.);

in schwarz gehen, schwarz gekleidet:

warum gehst du in schwarz? dir starb kein blutsfreund.
Grillparzer (1887) 8, 5

schwarz führen, vom herrn gesagt, der zur zeit der trauer auch seine diener schwarz kleidet: und führet ich eben zu derselbigen zeit schwarz, dann mein mutter seel. war gleich in kurzen tagen davor gestorben und thätten sie um deszwillen einem andern buben die schwarzen kleider an. Berlichingen 102. es gibt verschiedene arten schwarz. Adelung. die schönheit dieses schwarz. ebenda. auch von schwarzer farbe als substanz:

ein altes dinthorn one schwartz,
ein alte küffen one hartz ...
ist alls wider natürlich art.
B. Waldis Esop 4, 93, 127 Kurz;

black, dinten, schwartz, atramentum. Henisch 403, 24; Frankfurter schwarz. Adelung; die glasmahler machen ihr schwarz von eisenschlacken. ebenda.

[Bd. 15, Sp. 2321]



5) der bedeutungsunterschied zwischen der flectierten und der unflectierten form des neutrums verwischt sich manchmal. Jacobsson sagt an einer stelle, wo er schwarze farbe meint: das leichte schwarze hat mehr glanz als das schwere. 4, 83b. allerdings meint er nicht farbe als eigenschaft, sondern als substanz und insofern doch auch einen schwarzen gegenstand (s. 3). aber das erstere ist sicher gemeint, wenn es heiszt: ein maler fällt in das schwarze verfällt ins schwarze, übertreibt seine schatten. Adelung. Jacobsson 4, 79a, ebenso in wendungen wie: das spielt ins schwarze (vergl. DWB das schillert, schimmert ins blaue). Stieler führt an schwarz fleisch, quod etiam das schwarze absolute dicitur, jus nigrum. 1956. vergl. auch gänseschwarz oben theil 4, 1, 1278 und hasenschwarz theil 4, 2, 541.
 
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schwarzalben, plur., s. DWB schwarzelb.
 
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schwarzamsel, f. die wahre amsel, schwarzdrossel, turdus merula Adelung. Nemnich 2, 1510. Vilmar 377. Spiesz 230: von der schwartz-amsel. Döbel jägerpr. 1, 55, unterschieden von der weisz-, meer-, ringel-, gold-amsel. Heppe wohlred. jäger 26a. übertragen: 'guten abend du schwarzamsel', sagte er (zu einem schwarz bestäubten köhler). Grimm märchen nr. 54; mundartlich im sinne von vulva Spiesz 230.
 
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schwarzapfel, m. für augapfel (vgl. DWB schwarz III, 3, c): behüt mich als den schwarzapfel ain dochter des augs. quelle bei Schmid 486 (ps. 17, 8).
 
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schwarzäpflicht, adj. als farbe von pferden: eben so .. erhärtet die erfahrung: dasz die im frühlinge untermischten eichen-knospen die pferde eben so wol schwartzäpflicht als der eichene safft hände und nägel der gärber schwartz machen. Lohenstein Armin. 2, 1025b.
 
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schwarzarsch, m. in der gaunersprache der schornstein, ofen, kamin. Avé-Lallemant 4, 606.
 
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schwarzätzung, f.: eine neue decorationszeit (des harnisches) tritt auf, der goldschmelz, die schwarzätzung und die vergoldete ätzung in ornamentierten rändern und streifen. Böheim waffenkunde 151.
 
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schwarzauge, n.
1) schwarzes auge: ihr schwarzauge verwundete die ätherische brust. Benzel-Sternau bei Campe;

dein schwarzaug' sucht des witzes breite scheiben,
jedoch dein schöner mund des bechers rand.
Keller 9, 102.


2) person oder thier mit schwarzen augen, daher name einer fischgattung, labrus melops Campe, freier auch einer conchylienart mit schwarzen augenähnlichen flecken, cypraea ocellata. ebenda. Nemnich 1, 1351.
 
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schwarzäugig, adj. schwarze augen habend Adelung. Frisch 2, 244a, auch schwarzaugig, schwarzäugicht, schwarzaugicht, mundartlich schwarzauget Tobler 402b: schwarzäugiger kerl. Fuchsmundi 17; von leidenschaft erhitzt sieht der anhänger Mahomeds in der blutigen schlacht den himmel voll schwarzaugichter mädchen. Wieland suppl. 3 (1798), 147; unser schwarzaugigtes stubenmad'l ist mir lieber als alle verwandtschaft auf der welt. Raimund 1, 346 Glossy-Sauer.
 
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schwarzbacke, f. eigentlich schwarze backe, dann ein geschöpf mit solchen backen, bei den jägern der baumfalke, falco subbuteo Campe, tannenfalke Behlen 5, 570.
 
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schwarzbäcker, m. bäcker, der schwarzbrot bäckt Adelung, schwarzbecker, artopta Stieler 86, fornaio di pan nero Kramer dict. 2 (1702), 702a, pistor panis communis et atri Frisch 1, 47a. Campe.

 

schwarz
I.  in sinnlicher anwendung:
1)  mit bezug auf mangelndes licht, mangelnde helligkeit, finster, düster.
a)  von einer dunkel brennenden, düsteren flamme: warð ôk that fiur kuman hêt fan himile,that thea hôhon burgi umbi Sôdomo-landswart logna bifêng.
b)  schwartze nacht, notte oscura fosca e tenebrosa Kramer
c)  schwartzes gefängnis, prigione oscura Kramer
d)  schwartzer wald, selva folta, spessa e perciò ombrosa e oscura. Kramer
e)  hierher gehört auch die wendung: es wird einem schwarz vor den augen, man verliert das bewusztsein. Hügel 146a. Hunziker 235. Seiler 266b, aber nicht nur mundartlich. eine ähnliche fügung ist unter III, 4, a
f)  ebenso erklären sich von hier aus fügungen wie: die strasze ist ganz schwarz von menschen; alls schwarz kemens daher, in groszer menge. Schm.2 2, 649. scherzhaft: mein weib hat g'wäsche, s'hängt schwarz voll. Schmid 627.
g)  von geschmuggelten waaren sagt man: schwarz herein (über die grenze) kommen, vielleicht weil man bei nacht zu schmuggeln pflegt (vgl.schwärze, 'nacht' in der gaunersprache, s. dies), so dasz schwarz hier gewissermaszen prädicativisch im sinne
h)  in der mitte zwischen diesem und dem folgenden gebrauch steht schwarz in bezug auf schatten in der malerei, der ja doch durch farbe hervorgebracht wird. ein maler malt schwarz, wenn er viel schatten gibt. vgl. ins schwarze fallen unter III, 5. bildlich:
2)  von dunkelster farbe, der gegensatz zu weisz. im engsten sinne von körpern, die alles licht absorbieren, aber auch allgemeiner, z. b. von dunklem laub (vgl. unten h, α), dunklem wein (s. unten i, β), selbst dann aber als gegensatz
a)  in der gegenüberstellung von schwarz und weisz zeigt sich deutlich der enge zusammenhang mit der vorigen anwendung. sie braucht nicht notwendig auf farbe zu gehen. weisz bedeutet auch 'glänzend', weisz ist das helle sonnenlicht, und farbe ist ja nichts als reflectiertes
b)  die bedeutung von schwarz in der farbensymbolik, wo es im allgemeinen das gegentheil von weisz bezeichnet, wurzelt in dem gegensatz von licht und dunkel, ihrer wirkung auf den menschen, auf leben und gedeihen überhaupt. schwarz ist die unholde farbe, die farbe des bösen, des schädigenden,
c)  schwartze farb, atramentum, nigrans color Maaler 366b, color negro Kramer
d)  von menschen.
α)  mit bezug auf leibesbeschaffenheit.
αα)  im engeren sinne von mohren, swarze liuti, Aethiopes Graff 6, 900 (8. jahrh.), schwartzer mohr, Aethiops. Corvinus
ββ)  natürlich gleichfalls von menschen, die sich die haut geschwärzt haben. als volkssitte führt Birlinger
γγ)  mit bezug auf natürliche leibesbeschaffenheit im weiteren sinne von menschen mit schwarzem haar, schwarzen augen, dunkler hautfarbe: aber ein fraw die beschowet sich (im spiegel) mit groszem fleisz, und ersicht sie das sie schwartz oder bleich ist, so kert sie allen fleisz an, das sie durch
δδ)  mit bezug auf dunkle flecken, die durch schläge entstehen: einen schwartz und blau schlagen, render livido uno di battiture. Kramer
εε)  vor ärger soll man schwarz werden können. Schmeller2 2, 648. Albrecht 209: die Bamberger dort ärgern sich, sie möchten schwarz werden. Göthe 8, 5; ich möchte vor ärgernisz schwarz werden. Wall
β)  von schwarzgekleideten: gott! wenn ich manchmal denke, wie man das liebste seines lebens wegtragen läszt, und niemand, als die kinder, das so scharf fühlt, die sich noch lange beklagten, die schwarzen männer hätten die mama weggetragen! Göthe 16, 86;
γ)  schwarzer Peter heiszt bei dem gleichnamigen kartenspiel der, der schlieszlich den kreuzbuben (an andern orten den piquebuben) behält. Vilmar 377, aber allgemein üblich. ihm wird wol mit einem angebrannten kork das gesicht etwas geschwärzt. ursprünglich soll der ausdruck nach Wackernagel
e)  gestalten der germanischen mythologie erscheinen als schwarz, besonders solche, deren wohnsitz unter der erde gedacht wird, wie die göttin Hel. myth. 290 und ein theil der elfen (altnord. swartalfar im gegensatz zu den ljósalfar, vgl. unten schwarzelf) myth. 414. die letzteren sind
f)  von thieren, swarz ros, niger equus Graff 4, 1180, schwarz pferd, equus ater Stieler 1439, der schwarze rabe, corvus niger Steinbach 2, 212, schwarzer specht Frisch 2, 243c, schwarze amsel ebenda,
g)  von theilen des animalischen körpers.
α)  mit bezug auf hautfarbe, schwartze haut, schwarzer hals, schwartz gesicht, pelle nera, collo nero, viso, arsiccio, morello, moro, moresco. Kramer
β)  schwartze haar, capelli negri Kramer
γ)  schwarze federn, flügel u. ähnl.: des raben federn sind von natur schwartz. Agricola
δ)  schwarze augen, ravidi vel nigrantes oculi Stieler 1955. Kramer
ε)  schwarzes blut, schwärzlich rotes Adelung, das venenblut im gegensatz zum arterienblut, aber auch gestocktes, schwartz gestockt blt, cruor ater Maaler 366c, und besonders als kunstausdruck der älteren heilkunde, krankhaft verändertes, das vermischt ist mit verbrannter, schwarzer galle: schwartz geblüt oder
h)  von pflanzen und pflanzentheilen.
α)  mit bezug auf die farbe der blätter, nadeln, der rinde, des holzes: diu gert der stauden (cassia lignea) wirt dreier daumellen lanch und hât dreierlai varb: die êrsten weiʒ, die andern rôt, die dritten und die obristen swarz. Megenberg 363, 17; mhd.
β)  mit bezug auf die farbe der wurzel schwartze stickwurtz, taminia Maaler 366c, schwartze niesewurtz, christwurz, veratrum nigrum, melampodium Corvinus
γ)  mit bezug auf die farbe der frucht: an den räben (der brombeeren) wachsen blumen ... nach welchen die frucht erfolget, so zum ersten grün ist, endlich aber auszwendig schwartz, jnnwendig voll rohtes saffts. Tabernaemont. (1664) 1297 F; die schwartze beer an dem maulbeerbaum,
i)  von thierischen und pflanzlichen producten.
α)  schwartzes wachs, cera negra Kramer
β)  von nahrungsmitteln, speise und trank: schwartz mehl, farina negra cioè bruna Kramer
γ)  von bearbeiteten fellen, decken, zeug, kleidung und ähnl., schwarzer pelz, zobel: declâchen hermînvil manegiu man sach, und von swarzem zobele,dar under si ir gemach des nahtes schaffen soldenunz an den liehten tac.
k)  von erde, gestein, mineral, metall, schwartze erde, terreno nero Kramer
l)  von gerät, geschirr, gegenständen überhaupt: schwarze waffen, rüstung: ein ritter in ganz schwarzer rüstung. Schiller
m)  schwarze schrift, schwarzer druck: durch die schwartze schrifft kümmt kunst auff weisz papier. Logau 2, 168, 49. daher schwarz auf weisz, geschrieben, gedruckt Frisch 2, 243b, schwarz auf weisz haben, schriftlich Adelung
n)  der schwarze tod, benennung der groszen seuche, die um die mitte des 14. jahrh. Europa verheerte, wegen der schwarzen beulen am körper der kranken. vgl. Hecker
o)  das schwarze meer, pontus Euxinus Stieler 1956 und so noch heute, übersetzung des russ. tschernoe moore, türk. kara dengis, neugriech. μαυρι θαλασσα, wie es wegen seines düsteren charakters heiszt.
p)  der schwarze sonntag, dom. passionis, qua altaria, imagines, suggestus atra veste teguntur Scherz-Oberlin 1460, auch der sonntag judica. ebenda. Schm.2 2, 649. Schöpf 659: der brief geben daz (wol ze) S. Pölten nach C. G.
q)  schwarze kunst heiszt eine art des kupferstechens, wobei man die ganze platte mit einem dunklen grundton versieht und die hellen stellen des bildes dann durch mildern oder entfernen dieses grundtons herstellt. Jacobsson 4, 86a.
3)  im sinne von 'schmutzig', vgl. lat. sordidus. von personen: du sæhest vil gerne, daʒ sie (deine diener) dir deste baʒ dienten unde dich lieber hæten danne ander liute; unde du des gar wol inne würdest, daʒ sie den swerzesten schüʒʒelspüeler lieber
II.  in unsinnlicher anwendung.
1)  unheilvoll, böse, schlimm, traurig, in der bedeutung dunkel wurzelnd (I, 1), eng mit dem symbolischen gebrauche von schwarz (I, 2, b) zusammenhängend.
a)  die entwicklung solcher anwendung vermitteln bilder gleich den folgenden: si (die kirche) uuas ze êrist fusca (suarz), er si begondi peccata sua confiteri (iro sundon bigiêhin), aber confitendo (bigiht tuôndo) uuard si dealbata (keuuîʒʒit). Notker
b)  vom handeln und seinen inneren ursachen, unheilvoll, böse, hinsichtlich der wirkung auf andere: schwarzes gemüth, herz, schwarze seele, schwarzer geist: warum erblickte ich deine schwarze seele nicht einige monathe eher in ihrer ganzen abscheulichkeit? Adelung; wer aber bey sich selbst, was ihr
c)  weiter dann wie unheilvoll, schlimm, traurig.
α)  von umgebenden verhältnissen, so von der zeit, in der folgenden stelle wol nach griechischem vorbild: der wirt empfahen grossen lohn, in schwartzer zeit weisse kräntz han.
β)  vom empfinden mit bezug auf den träger desselben, selten von sinnlichem: die ehrsichtigen, die da meynen sie haben ihre adeliche schild und wapen in der sündfluth verlohren, und diese auff den Hartz- oder Schwartzwald wiederfunden, wollen gerne vor reich angesehen werden, da sie doch zu hause den
γ)  von der miene als spiegelbild des inneren, finster, mürrisch: mâkt so'n swart gesicht. ten Doornkaat Koolman 3, 373c; adverbial: kikt so swart ût. ebenda; kiket swart Woeste 265a.
d)  in diesen zusammenhang tritt auch die in alter zeit häufige verbindung schwarze kunst als übersetzung des mlat. nigromantia, das eine miszverständliche umbildung des griechischen νεκρομαντεία ist. der ursprüngliche begriff der todtenbeschwörung, der auch bei dem deutschen ausdruck gelegentlich noch hervortritt, erweitert sich zu dem
e)  schwarzes buch erscheint auch in anderem sinne, als gerichtsbuch, strafbuch, wie rotes buch. J. Grimm
2)  solche wendungen werden auch auf geldschuld, geldmangel bezogen: schwarz angeschrieben ist auch der, dessen zeche auf der schwarzen wirtshaustafel 'angekreidet' steht, der etwas schuldig ist Schm.2 2, 649. schwarz sein heiszt in der gaunersprache 'kein geld haben',
3)  schwarz dient weiter zur bezeichnung starrer kirchlicher gläubigkeit, dunkelmännischer art. man sagt: dieser pfarrer ist ganz schwarz, schwärzer als jener.
4)  landschaftlich heiszt es auch 'trunken', wol wegen der verdunklung des bewusztseins, besonders nd. Frommanns
III.  substantiviert.
1)  der schwarze, ein schwarzer.
a)  mensch mit schwarzer oder dunkler hautfarbe, dunklem haar, dunklen augen, ein schwartzer, un moro negro, un negro, un etiopo. Kramer
b)  mensch in schwarzer kleidung, schornsteinfeger (dessen gesicht ja auch meist geschwärzt ist), geistlicher Albrecht 209b.
c)  der teufel heiszt der schwarze Schöpf 659. Albrecht 209b, aber nicht nur mundartlich: denkt er denn, dasz ich den schwarzen nicht auch im bunten kittel erkennen werde. Göthe 11, 297; der schwarze hat keine macht über mich.
d)  mensch von strenger rechtgläubigkeit, feind der aufklärung, dunkelmann.
e)  schwarzer dient auch zur bezeichnung einer rebenart, blauer Klävner (für rotwein). Pritzel-Jessen 445b (Wein- u. Schrieszheim a. d. Bergstrasze).
2)  die schwarze, eine schwarze.
a)  mädchen, frau mit schwarzer oder dunkler hautfarbe, dunklem haar, dunklen augen, sprichwörtlich: lieber eine schwarze (zur frau) mit ihren grillen, als eine blonde mit goldenen pillen (dukaten). Wander 4, 427.
b)  kleine schwarze heiszt eine rebenart, blauer färber (für dunkelrotwein). Pritzel-Jessen 444b (Ungarn bei Rust).
3)  das schwarze, etwas schwarzes.
a)  allgemein, schwarzer gegenstand, was schwarz ist: Mathilde. was verdrieszt euch denn? Dragones. allerhand, so und so, manchmal eben, dasz das schwarze nicht grün ist und das grüne nicht schwarz. F. Müller 3, 63. gnomisch: das schwarze macht eher häszlich als das weisze schön.
b)  das schwartze an der scheiben, scopus Corvinus
c)  das schwartze in augen, il nero cioè la pupilla dell' occhio Kramer
d)  das schwarze am, unterm nagel, der unter dem vorstehenden rande des fingernagels sich ansammelnde schmutz. sprichwörtlich zur bezeichnung der geringsten kleinigkeit: ock nitt so viəl as dat swatte vam nagel, ne hilum quidem Woeste 265a; man gönnt mir das schwarze am nagel nicht.
4)  schwarz, n.
a)  finsternis: schwarz schwimmt vor meinen augen. Schiller
b)  schwarze farbe, sich in schwarz kleiden: schöns lieb, du hast mir das verkündt, in schwarz wöllst du dich kleiden. Erck-Böhme
5)  der bedeutungsunterschied zwischen der flectierten und der unflectierten form des neutrums verwischt sich manchmal. Jacobsson sagt an einer stelle, wo er schwarze farbe meint: das leichte schwarze hat mehr glanz als das schwere. 4, 83b. allerdings meint er nicht farbe als eigenschaft, sondern
 
schwarzauge
1)  schwarzes auge: ihr schwarzauge verwundete die ätherische brust. Benzel-Sternau bei Campe; dein schwarzaug' sucht des witzes breite scheiben, jedoch dein schöner mund des bechers rand. Keller 9, 102.
2)  person oder thier mit schwarzen augen, daher name einer fischgattung, labrus melops Campe, freier auch einer conchylienart mit schwarzen augenähnlichen flecken, cypraea ocellata. ebenda. Nemnich 1, 1351.